Weblog von Agnes Peterseil
Video der Demo gestern
Ein kurzes Video mit Eindrücken der Demo gestern...
Wir mischen uns ein!
Ein warmer frühherbstlicher Tag, die Sonne scheint, die Busfahrerin lässt alle, die zur Demo wollen, gratis mitfahren, und schon beim Aussteigen aus dem Bus hören wir Sprechchöre – ein idealer Beginn für die größte Demonstration in Pittsburgh seit dem Vietnamkrieg, die heute am frühen Abend friedlich zu Ende ging. Rund zehntausend Menschen sind zur Universität in Oakland gekommen und mit nach Downtown gezogen, in die Nähe des Convention Centers, in dem gleichzeitig die G20 tagten. Sie forderten die StaatschefInnen der G20 mit hunderten selbstgebastelten Schildern und gut vorbereiteten, sehr kreativen Sprechchören auf, von ihrer neoliberalen Agenda abzugehen.
G20 Tribunal – Schuldig im Sinne der Anklage
Auf Grund des Verdachts schwerer Menschenrechtsverletzungen wurden die G20 heute einem internationalen Menschenrechtsgerichtshof vorgeführt. Unter dem Dach der Calvary United Methodist Church in Pittsburgh lud die Zivilgesellschaft symbolisch SpitzenrepräsentantInnen der G20 vor. Vor den Augen hunderter bewegter ZuhörerInnen wurde den G20 „der Prozess gemacht“.
Die Anklagepunkte der zehn ZeugInnen waren gewichtig:
Unter anderen bezichtigte Ai-Jen Poo von Domestic Workers United die G20, die Prekarisierung voranzutreiben und damit die Lebensgrundlagen vieler Menschen zu zerstören. Besonders Domestic Workers, die oft sechs Tage pro Woche und 18 Stunden am Tag für unter 2 Euro pro Stunde arbeiten müssen, stehen ganz am unteren Ende der Prekarisierungsleiter. Doch immer mehr weitet sich dieser „Wilde Westen“ auf die gesamte Arbeitswelt aus. „The working class says: Guilty!“
Klimazerstörung voraus
Mittwoch Vormittag. Greenpeace lässt in einer halsbrecherischen Aktion ein riesiges Banner von der West End Bridge in Pittsburgh. Vier AktivistInnen baumeln an Seilen von der stark befahrenen Brücke, zwischen ihnen der Schriftzug „Danger! Climate Destruction Ahead. Reduce CO2 Emissions Now. - Achtung! Klimazerstörung voraus. CO2-Emissionen reduzieren – jetzt!“.
Ein Aufruf an die G20-ChefInnen, das Thema nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Ein Aufruf, den sich besonders Barack Obama zu Herzen nehmen sollte, der im gestrigen UNO-Treffen in New York nicht einmal die Mindeststandards, zu denen sich China verpflichtete, für die USA garantieren wollte.

Attac United in Pittsburgh
Wie vor zwei Wochen telefonisch über sechs Zeitzonen hinweg verabredet, treffen wir uns Mittwoch vormittags mit allen Attacies in Pittsburgh zwecks Info-Austausch, Aktions-Planung und Kennenlernen. Aus Norwegen, Kanada, Deutschland, Italien und Österreich kommen wir, wir unterhalten uns auf deutsch, französisch, aber hauptsächlich auf englisch mit verschiedenen Akzenten. Im Versammlungssraum unter der Monumental Baptist Church – ihre VerwalterInnen erlauben die Tent City auf ihrem Grundstück, und ermöglichen damit die einzige Zeltstadt der Proteste in Pittsburgh (alle anderen wurden verboten) – treffen sich neben uns noch andere AktivistInnen-Gruppen zu Besprechungen. Die Vorbereitungen für das Mittagessen beginnen schon, wir helfen einen Berg Erbeeren klein zu schneiden. Schnell kommen wir ins Plaudern über unsere Erlebnisse und Bekanntschaften bisher und ins Planen der nächsten Tage.
Auf gehts!
Einen Tag vor Beginn des offizielle Gipfels kommen auch wir nun nach Pittsburgh. Mit dem ultra-kalt klimatisierten Zug fahren wir neun Stunden von New York quer durch New Jersey und Pennsylvania, über weite Maisfelder, Kuhweiden und durch Amish-Siedlungen. Auf dem Weg vom Bahnhof zu unserer Unterkunft kommen wir schon an Zaun-Teilen vorbei, die morgen aufgestellt werden und Downtown Pittsburgh absperren werden.
