Kopenhagen: Day 1 Die Lügendetektoren
Zwei Stunden mussten wir in der morgendlichen Kälte warten, bevor wir unsere Akkreditierungen für den COP15 erhielten – ein anderer Name für das Kopenhagener Gipfeltreffen, auf das sich Attac France seit Monaten vorbereitet hat.
Eine beeindruckende Zahl von Vertretern aus einer ebenso beeindruckenden Zahl von Ländern kommen in diesen Tagen in die dänische Hauptstadt; sei es, um am COP teilzunehmen, am Klimaforum (dem alternativen Forum der Bürger- und Sozialbewegungen) oder an den zahlreichen Mobilisierungsaktionen, Aktivitäten und Veranstaltungen, die in den nächsten zehn Tagen stattfinden werden.
Ein kleines Attac-Team ist bereits vor Ort aktiv, mit Geneviève (Azem), Fanny (Simon), Nico (Haeringer), Ronack (Monabay, der ehrenamtlich für Attac/Aitec seit zwei Monaten in Kopenhagen ist, um die lokalen Vorbereitungsteams zu unterstützen): die Einen hören zu, schreiben, die Anderen filmen, sprechen, organisieren...
Einzutauchen ins Bella Center, dem Tagungsort der COP15, ist eine verwirrende Erfahrung. Tausende von Menschen bewegen sich durch das labyrinthische Gebäude, zwischen ausgedehnten Garderobenbereichen, Restaurants, Medienräumen, Messeständen....
Dreißig Minuten, um etwas zu knabbern aufzutreiben, weitere dreißig Minuten, um den Saal zu finden, in dem die Veranstaltung stattfindet, die mich interessiert...
Endlich komme ich im Konferenzsaal Schumann an, in den Räumen der Europäischen Union. Hier findet ein Workshop über die neuen Chancen durch die Kohlemärkte statt.
Statt von der Europäischen Union wird dieser Workshop in Wirklichkeit von Großbritannien organisiert, mit zwei im Finanzwesen spezialisierten Juristen, zwei Vertretern von Entwicklungsländern (Indien und Peru), Mitarbeitern der britischen Verwaltung, verantwortlich für die Kohlemärkte, genauer: verantwortlich für die Verbindung zwischen den Kohlemärkten und den Entwicklungsmechanismen des Protokolls von Kyoto.
Die Botschaft ist eindeutig: die Union treibt ihr Modell des ETS (Emission Trading System) voran, die dazugehörige hervorragende Verbindung zum „Mechanismus der Eigenentwicklung“ und die damit verbundene, wirksame Senkung sowohl von Emissionen als auch von nachhaltiger Entwicklung im Süden.
Einige Workshopteilnehmer haben bei den Panelmitgliedern auf wenigstens spitz zu nennende Weise nachgehakt, besonders Sarah Jane Clifton, Autorin des Berichtes der Friends of the Earth UK über die Kohlemärkte. Sie hob den Anstieg der Spekulation in diesem Sektor hervor und das Fehlen staatlicher Regulierungen angesichts des Risikos einer Finanzblase.
Die Antworten der Spezialisten auf dem Podium blieben allgemein und zögerlich: insgesamt sei die Transparenz Garantie für das gute Funktionieren des europäischen Kohlemarktes, die Mechanismen der Eigenentwicklung enthielten einzigartige Möglichkeiten, Finanzierungen zugunsten der Länder im Süden zu schaffen zu einer Zeit, in der die öffentlichen Gelder nicht ausreichten, notwendige Anpassungen vorzunehmen und vor allem die Emissionen im Süden zu senken.
Insgesamt wird die Frage nach der Wirksamkeit der Mechanismen der Eigenentwicklung auf die Fähigkeit der südlichen Länder abgewälzt, sie sowohl technisch als auch finanziell aufzufangen.
And diesem Abend, zur Eröffnung des Klimaforums, hat Naomi Klein uns an die Verantwortung erinnert, die wir alle tragen: wütend zu sein und zu kämpfen. Unsere Verantwortung als Lügendetektoren – wenn auf die Krise des Klimas mit Antworten des Marktes reagiert wird. Verantwortung zum Widerstand, zur Mobilisierung, Verantwortung, die Veränderung mit zu tragen, wie Nimmo Bassey, Präsident von Friends of the Earth International, es ausdrückte.
Attac France hat fest vor, in den kommenden zwei Wochen dazu beizutragen.

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