Reclaim Power Action. Chaos und unverständliche Gewalt seitens der dänischen Polizei
Als wir heute morgen um 8 :00 Uhr ankommen, erfahren wir, dass der gesamten Delegation von Friends of the Earth International der Zugang ins Kongresszentrum untersagt worden ist. Bestürzung. Und ein sehr schlechtes Zeichen für den weiteren Verlauf des Tages.
Die Aktion Reclaim Power wird vorbereitet und die Spannung steigt schnell. José Bové, der an der Seite ihres Präsidenten Nimmo Bassey für die Sache der Friends of the Earth sprechen wollte, gerät in die Sicherheitskontrollen im Konferenzzentrum und bleibt dort für einen Moment eingeschlossen. Zahlreiche Beobachter von NGOs stecken draußen fest, obwohl sie die unumgänglichen Bagdes der Stufen 1 und 2 besitzen.
Was Reclaim Power angeht, so sollen zwei koordinierte Aktionen zusammenlaufen:
die eine, um das Netzwerk CJN herum, beginnt im Innern des Konferenzzentrums; die andere ist ein Marsch, der um 8:00 Uhr begonnen hat und der mehrere tausend Menschen nahe dem Bella Center versammelt. Beide Aktionen sollen an dem Ort ihres Aufeinandertreffens eine Volksversammlung bilden, ein paar hundert Meter vor dem Eingang zum Konferenzzentrum. Das ist die Idee der Aktion: Insider und Outsider zusammen zu bringen, die gemeinsam zu einem restriktiven Abkommen aufrufen, zur differenzierten Übernahme von Verantwortung zwischen Norden und Süden, langfristigen Finanztransfers und besonders einem radikalen Wandel des derzeitigen Wirtschaftsmodells. So sollen die Versammelten die Möglichkeit erhalten, gemeinsam ihre Kritik zu äußern und Vorschläge zu machen.
Die Aktion drinnen soll auch die Stimmen von CJN und seinen Mitgliedern, landwirtschaftlichen, feministischen, indigenen Organisationen etc., zu den vielen offiziellen Delegierten bringen.
In dieser Hinsicht ist der Plan ein Erfolg. Von Beginn des Marsches durch die Korridore des BC an drängt sich eine Masse aus Journalisten, Mikrofonen, Filmkameras und Fotoapparaten um die Aktivistengruppe und folgt ihnen, bis sie das Gebäude verlassen. Mehr als hundert Menschen nehmen an der Aktion teil, die das gesamte Zentrum in Aufruhr bringt. Das Zusammentreffen findet jedoch nicht statt. Seit einer Stunde ergießt sich die Gewalt der dänischen Polizei über die Demonstranten draußen. Demonstranten wurden festgenommen, bevor sie das Bella Center überhaupt erreichten. Der von drinnen kommende Marsch wird auf der Brücke, die ihn vom der ersten Gruppe trennt, blockiert, und die lokalen Polizisten verprügeln die Aktivisten, die sie zu fassen kriegen. Auf der anderen Seite der Barrieren werden die eingeschlossenen Demonstranten von der Polizei übel misshandelt. Hunderte Verhaftungen, dazu Verletzte.
Die Ordnungskräfte verwandeln sich in Agenten der Gewalt und des Chaos. Die dänische Polizei übt eine unverhältnismäßige Repression gegen die entschieden pazifistischen Demonstrationsgruppen aus, die singend hergekommen sind, den Takt schlagend zu den Rufen: "Climate Justice Now", "Reclaim power" und "Join the people assembly".
Nachdem für die letzten beiden Tage des Gipfels 95% der Beobachter aus der Zivilgesellschaft ausgeschlossen wurden, fällt ein zutiefst zweifelhaftes Licht auf den wahrhaft demokratischen Charakter der Vereinten Nationen und der Klimaverhandlungen, die im Rahmen der UNO stattfinden. Die Teilnahme der Sozial- und Bürgerbewegungen an der UNFCCC und an den verschiedenen COP und den Vorbereitungssitzungen war immer garantiert gewesen, im Gegensatz zu anderen Organisationen oder Direktorien, wie WTO oder G8. Die NGOs und die Sozialbewegungen hatten die Bemühungen der UNFCCC immer begrüßt und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit deren Sekretariat aufgebaut.
In diesem Zusammenhang scheint die Behandlung der Bürgerbewegungen in den letzten zwei Tagen unverständlich. Aktivisten und Attac Nahestehende wurden belästigt, geschlagen, mit Polizeigewalt festgehalten, und um 16:45 haben wir an diesem 16. Dezember noch nichts von ihnen gehört. Verwirrende Bilder von Aktivisten, die zu Boden gezerrt, denen in der Eiseskälte Handschellen angelegt werden, die verbissen von Polizisten geschlagen werden, die ihnen bis auf die Dächer von Fahrzeugen folgen... Wie sonst kann man die Bewegungen im Norden und im Süden aggressiv und paranoid machen, die doch in aller Legalität um Klimagerechtigkeit kämpfen, und die sich nur Gehör verschaffen wollen....
Inzwischen ist es unmöglich, in das Kongresszentrum zu kommen. NGOs sind nur nach heimlich festgelegten Kriterien zugelassen, und ihre berühmten Vertreter beklagen ihre Privilegien – das passiert, wenn sich das gemeine Volk in die Angelegenheiten der Eliten einmischen will.
Macht euch nichts draus, Mädels, es gibt ein Leben nach der Lobby, weniger glamourös, das macht dir den Teint kaputt und bricht dir die Fingernägel ab, das macht kalte Füße – aber das Parfum des Aufstands kann auch die widerspenstigsten Medien zum Umkippen bringen.
Während der Marsch, der den ganzen Tag lang aufgehalten wurde, sich zum Klimaforum aufmacht, ergießen sich Polizeiwagen ins Stadtviertel. Tadzio Müller (siehe gestrigen Eintrag) wird hinter geschlossenen Türen verurteilt.
Übersetzung: Katja Willebrand Coorditrad

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