Unabhängige Internet-TV-Nachrichtensendung “Kontext” mit Gästen der Klimakarawane gestartet

Am 7. Dezember 2009 ist das unabhängige Internet-TV- und Radio-Nachrichtenmagazin “Kontext – die anderen Nachrichten” mit einer Pilotsendung zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen gestartet.
Zu der einstündigen Sendung waren Studiogäste aus dem In- und Ausland eingeladen, darunter zwei Gäste aus Lateinamerika, die im Rahmen der “Klimakarawane” von Genf nach Kopenhagen unterwegs sind, der international renommierte Klimaforscher Hartmut Graßl, und der Gründer der Transition-Town-Bewegung Rob Hopkins aus England.
Die Sendung schlägt einen Bogen von den neuesten Erkenntnissen der Klimaforschung über kontroverse Einschätzungen zur Wirksamkeit der so genannten “marktbasierten Mechanismen” (Emissionshandel, Clean Development Mechanism u.a.) bis hin zu kritischen Perspektiven aus dem globalen Süden.
Camila Morneo von der Global Forest Coalition / Friends of the Earth, Brasilien, sagte in Bezug auf das angestrebte Waldschutzabkommen REDD und andere marktbasierte Mechanismen: “Es läuft gegenwärtig in Brasilien eine massive Einschüchterungskampagne gegen lokale, vor allem indigene Gemeinschaften, auch gegenüber den Provinzgouverneuren, damit sie diese neuen Marktinstrumente akzeptieren. (…) Wird REDD in Amazonien umgesetzt, wird die Dimension des Landraubs um ein Vielfaches größer sein.”
Alexandra Almeida von Oil Watch / Accion Ecologica, Ecuador, sprach über den Vorschlag der ecuadorianischen Regierung, einen Fonds für den Verzicht auf Erdölförderung im Amazonas einzurichten, und von der Forderung nach “Reparationen” für die Klimaschulden der industrialisierten Länder.
Ines Koburger, Klimaaktivistin beim Netzwerk Climate Justice Action und bei Gegenstrom Berlin, skizzierte die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Wandels von Produktions- und Konsumtionsweisen als Voraussetzung wirksamen Klimaschutzes und erläuterte die Hintergründe der anstehenden Proteste in Kopenhagen, während Tina Löffelsend, Klimareferentin beim BUND, die Rolle der Bundesregierung beim Klimaschutz kritisch reflektierte.
Per Video-Schaltung war außerdem Rob Hopkins aus England zugeschaltet, der die Idee und Funktionsweise von Transition Towns erläuterte, von denen es bisher ca. 200 weltweit gibt. Transition Towns können als Beitrag zu einer “Klimawende von unten” verstanden werden, bei der Bürger ihre Gemeinde hin zu einer kohlenstoffarmen Lebensweise transformieren.
Das Projekt Kontext
Die Sendung ist ein Pilotprojekt für das langfristige Internet-TV-Projekt “Kontext – die anderen Nachrichten”. Inspiriert vom US-amerikanischen Sender Democracynow! wollen die Initiatoren David Goeßmann und Fabian Scheidler ein neues Nachrichtenmagazin schaffen, das Hintergründe und Zusammenhänge zu drängenden Fragen der Gegenwart und Zukunft beleuchtet.
David Goeßmann erläutert: “Wir wollen Stimmen aus dem In- und Ausland zu Gehör bringen, vor allem Stimmen, die oft zu wenig gehört werden, weil sie nicht die Megaphone der Macht besitzen. Wir wollen in Zukunft echte Kontroversen liefern auch jenseits parteipolitischer Querelen. Es geht letztlich um das, was Nachrichten eigentlich leisten sollten: Informationen zu bieten, die Menschen befähigen, sich in Politik und Gesellschaft einzumischen.”
Das Programm soll zuerst in einer Startphase in lockerer Folge Sendungen zu politischen Schwerpunktthemen produzieren. Ab Herbst 2010 soll das Medienprojekt täglich eine Stunde über Internet und lokale Radio- und TV-Stationen gesendet werden und sich unabhängig von Anzeigenkunden, kommerziellen Sponsoren, Regierungen und Parteien ausschließlich durch Spenden und gemeinnützige Träger finanzieren.
Die Sendung und weitere Informationen zu Kontext sind hier zu finden:

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