Salle Communale
Hallo Attacies,
nachdem wir gestern vorwiegend die Straße unter die Füße genommen haben, findet heute ein Workshoptag statt. Dazu fahren wir zum Salle Communale de Plainpalais. Im Eingangspodium wird das Thema Freihandel im Kontext von Finanzkrise, Klima und Landwirtschaft thematisiert.Ein Vertreter von Via Campesina fordert, dass das Agrarabkommen aus der WTO herausgenommen werden müsse, da Landwirtschaft in ihrer Vielfältigkeit ein Teil der jeweiligen lokalen Kultur sei. Ein Vertreter von Focus on the Global South hebt hervor, dass auch Indien eine Verantwortung habe, seinen Anteil beim Abbau von CO2 zu leisten; indem es z.B. den Abau von Agrofuels fördere, riesige Staudämme baue, befinde es sih auf dem falschen Wege.
Ein Gewerkschaftsvertreter aus der SChweiz beschäftigt sich besonders mit den Auswirkungen der Finanzkrise im sozialen Bereich. Es sei nicht Aufgabe, das System zu kurieren, sondern unser Denken zu ändern, zu revolutionieren.. Der wahre Wert von Arbeit müsse erkannt werden, die so beschaffen sein müsse, das Menschen davon leben können. Workshops am Nachmittag beschäftigen sich mit Einzelaspekten der Krise.
Einige Attacies bleiben im Salle, wir anderen fahren zur ILO, die eine öffentliche Konferenz zu Handel, Wachstum und Entwicklung veranstaltet. Im Verlauf des Nachmittags nehmen außer einem Vertreter der ILO, der internationalen Arbeitsorganisation, der EU auch Pascal Lamy, der Generaldirektor der WTO, und Celso Amorim, der brasilianische Außenminister, an der Veranstaltung teil. Einig sind sich alle: Die Doha-Runde muss beendet werden , allerdings bestehen Unterschiede in den Inhalten. Lamy spricht von einem "faireren" Handelssystem,Wettbewerb müsse akzeptiert werden, Handelsregeln neu ausbalanciert werden; andere Teilnehmer fordern, dass die ILO und Entwicklung unbedingt dazu gehören.Amorim bezeichnet die WTO als "rich men club", er fordert, dass Handel Arbeitsplätze schaffen müsse. Immer wieder wird auf die ITO verwiesen, die nach dem 2. Weltkrieg geplant war, denn in dem Abkommen waren ILO-Standards festgelegt; übrig geblieben von der umfangreichen Organisation war aber nurdas GATT-Abkommen. In die Enge kommt Lamy, als nach G20, GATS und Finanzdienstleistungen gefragt wird. Das sei nur eine technische Frage, GATS müsse ja niemand unterzeichnen.Amorim widerspricht ihm und verweist auf auf das fragile Wirtschaftssystem von Entwicklungsländern, auf die leicht Druck ausgeübt werden könne. Obwohl fast ausschließlich Podium, sind die zwei Stunden wie im Fluge vergangen.
Für den frühen Abend haben die Friedrich Ebert Stiftung und CUTS zu einer Buchvorstellung in das Hotel Intercontinental eingeladen. Supachai Panitchpakdi, jetzt Generalsekretär der UNCTAD, früher Generaldirektor derWTO, stellt das neue Buch von Faizel Ismail vor "Reforming the World Trade Organization - Developing Countries in the Doha Round". Ismail ist der Leiter der Delegation der Republik Südafrika bei der WTO.Ich freue mich schon aufs Lesen - dazu habe ich morgen im Zug viel Zeit.

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