Buntes aus Pittsburgh: „Write the true story about Pittsburgh!“
Im Pressezentrum des G20 Gipfels in Pittsburgh, das auch für mehrfach überprüfte Journalisten nur nach aufwendigen Kontrollen erreichbar ist, herrscht gedämpfter Pessimismus. Kaum jemand aus dieser bunten internationalen Berichterstattertruppe glaubt an ein effektives Ergebnis dieses Treffens. „Es bleibt wieder bei der üblichen Kosmetik“, prophezeit ein Londoner Fleetstreet-Kollege, der an seinem Premier Gordon Brown kein gutes Haar lässt. Merkels und Steinbrücks Vorstoß für eine Finanztransaktionssteuer entlockt ihm nur ein Lächeln:“Da spürt man den Wahlkampf in Deutschland.“
Da die Hauptakteure dieser exklusiven Veranstaltung zu dieser Zeit noch in der Anreise begriffen sind, ist der Journalist mit dem Attac-Label ein begehrter Gesprächs- und Interviewpartner. Dass in diesem Augenblick unsere G20-Aktion in Frankfurt vor der EZB in diesem Augenblick über die nationalen Bildschirme läuft, gibt den Gesprächen schon einen etwas sensationellen Charakter. Insbesondere amerikanische Medien und hier die lokalen und regionalen TV-Sender sind an der europäischen Bewegung der Globalisierungskritiker interessiert. Und sie sind überrascht von dem knappen und sehr konkreten Forderungskatalog von Attac. Tatsächlich sind die Vorstellungen der meisten US-NGOs, die hier verbreitet werden, sehr moderat und allgemein. Umverteilen des Reichtums von oben nach unten oder gar öffentliches Eigentum für Großbanken klingt in amerikanischen Journalistenohren schon reichlich radikal.
Gern lassen sich die Lokalsender Komplimente über ihre Stadt machen. Betroffen macht sie, dass der Europäer die immer noch augenfällige Rassentrennung ganz schmerzhaft empfindet. Tatsächlich hatte der in dem Bus 81 in den Hill District nur schwarze Passagiere getroffen, in dem Bus 71 ins Universitätsviertel Oakland dagegen nur weiße. Auch in dem Pub in der Nähe seines Schlafplatzes traf er zu später Stunde nur Weiße. Es waren Frauen und Männer mittleren Alters, durchweg in qualifizierten Arbeiterberufen und natürlich in der Gewerkschaft. Den Ausländer bestürmten sie sofort mit interessierten Fragen, und das Vorurteil über die unpolitischen Amerikaner in der Provinz warefe sie so schnell über den Haufen. Kritisch gingen sie mit ihrer Regierung um, skeptisch auch gegenüber Obama. Auch sie fürchten Teuerung und Arbeitslosigkeit. Auch sie wollen nicht für eine Krise bezahlen, die sie nich verursacht haben. Als der Gast aus Düsseldorf schließlich die Rechnung verlangte, hatten die Diskussionspartner schon bezahlt. „Write the true story about Pittsburgh!“ (Schreib die wahre Geschichte über Pittsburgh!) sagten sie zum Abschied.

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