Dickens in Genf (Ergänzung zum Beitrag von Roland Süß)
Von Johannes Lauterbach
Wie Roland schon schrieb, war das Gespräch mit der deutschen Delegation gestern Abend richtig erhellend, hier ein paar zentrale Punkte:
Sie sind der Auffassung, dass die Doha Runde schnell abgeschlossen werden kann. Stolperstein sei derzeit die Forderung der USA nach noch mehr Marktöffnung und die Gegenposition der Schwellenländer, insbesondere Indiens. Eine angebotene Wette auf den Abschluss der Runde 2010 wollten sie dann aber doch nicht eingehen...
Die überaus wichtige Rolle der WTO in der globalen Krise besteht nach Einschätzung der deutschen Delegation:
- Darin, dass die WTO den bösen Protektionismus verhindert habe. Der Einwand, dass dies eigentlich aufs Konto der G 20-Konferenzen ging, wurde beiseite gewischt.
- In der Möglichkeit mehr Marktzugang für klimaschützende Produkte zu schaffen. Was klimaschützende Produkte sind, wäre dann Gegenstand von WTO-Verhandlungen. Der Einwand, dass es derzeit gar keine Probleme beim Marktzugang für umweltgerechte Güter gibt, wurde beiseite gewischt...
Ein Problem beim Schutz heimischer Agrarmärkte in Ländern, die von der Hungerkrise betroffen sind, gibt es nach Meinung der Delegation auch nicht, denn diese Länder würden ja ihre vereinbarten Zolltarife nicht ausnutzen.
Es gibt auch keine Widersprüche bei den Finanzdienstleistungen. Die G 20 habe jetzt schärfere Regeln für die Finanzmärkte vereinbart und bei der WTO ginge es jetzt darum Märkte für Finanzdienstleistungen im Rahmen dieser Regeln zu öffnen.
Eine wichtige zukünftige Aufgabe der WTO bestünde darin, dafür zu sorgen, dass die vielen Bilateralen Freihandelsabkommen nicht zur Erosion der Gleichbehandlung für Alle WTO Mitglieder führen.
Neben diesen eher trockenen und überraschungsfreien Gesprächen mit den Funktionsträgern war aber auch für Kreativität gesorgt. Die Proteste im Konferenzzentrum erreichen ein hohes Niveau, bei der Aktion gestern Nachmittag wurde Charles Dicken' s Christmas Story (mit leichten Variationen) aufgeführt:
Scrouge-Lamy wurde von den Geistern der vergangenen und der gegenwärtigen WTO heimgesucht die nur Untergang verhießen:
Der Geist der Vergangenheit der WTO singt
(zur Melodie von Oh Tannenbaum):
"Hello Lamy, hello Lamy
the past has come to greet you
Seattle, Doha and Cancun
they show your past just leads to ruin
hello Lamy, hello Lamy
the past has come to greet you"
Der Geist der Zukunft singt:
"Hello Lamy, hello Lamy
the present is no better
doubl U TO must turn around
its knees are nearly on the ground
hello Lamy, hello Lamy
the present is no better"
Verzweifelt schrie der arme Lamy-Scrouge nach dem Geist der Zukunft der WTO, worauf ihm von den Umstehenden zugerufen wurde: no Future!!
Anschließend sangen alle
(zu "These boots are made for walking/Nancy Sinatra):
"You've been saying' you can give the answers
Since Seattle you know its a mess
Doha's dead and Cancun stopped the show yeah
So what's right is right but you ain't bin right yet
This movement's made for walking
And that's just what it do
Don't scrooge up our future
Or we'll walk all over you"

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