Protest-Nischen
Zu Fuß bin ich von meinem Basislager, der kleinen Zeltstadt "on the hill", durch Pittsburgh gelaufen. Habe viele Abgase geschnuppert, kaputte Häuser und große Werbetafeln gefunden. Und schließlich auch ein paar andere Orte, an denen heute schon Protest-Vorbereitungen zu sehen sind.
Im Internet müssen Neugierige eine Weile suchen, bis sie finden, was an Vorab-Veranstaltungen schon geplant ist. Die Tageszeitung "Pittsburgh Post-Gazette" kommentiert die Lage: "It is very hard to keep track of all of the protests planned around the G20. It would help if the anarchists were much better organized, and with a bigger marketing budget." Nun - vielleicht wird es sich noch als Stärke des Protestes erweisen, dass hier alles etwas unübersichtlich ist.
Die Polizei kommt ohnehin nicht recht hinterher. Die Beamten mussten gestern zugeben, bei beiden größeren Demonstrationen (dem March for Jobs und einer Demonstration mit dem Motto "G 6 Billion Journey & Witness") die Genehmigungsauflagen nicht gelesen zu haben und hielten die Demos länger auf, als sie es gedurft hätten.
Workshops und Kulturangebote gehören zum Programm der Climate - Convergence AktivistInnen. Ein im großen Schenley-Park geplantes Camp wurde allerdings von der Polizei verboten. Jetzt sind sie nur tagsüber anzutreffen auf dem "Overlook", dem höchsten Punkt des Parks.
"Art space" nennt sich dieser kleine Platz auf dem riesengroßen Campus der Cargenie Mellon University. Eine Handvoll Studierender baut hier seit einer Woche einen libertären Ort der Begegnung. Ich bekomme veganes Essen und einen Internetzugang spendiert und erfahre von weiteren Bau- und Bemalungsplänen für den Treffpunkt, an dem auch kleine Workshops stattfinden werden. Wegen des heutigen Nieselregens sind die meisten Flyer unter Folien verborgen, aber Stoßzeiten werden hier sowieso erst ab Mittwoch erwartet. Die meisten anderen Studierenden lässt das Projekt kalt, sie eilen von einer Uni-Veranstaltung zur nächsten. Aber ab und zu stecken einige ihren Kopf herein und wollen wissen, um was es geht und was hier noch geplant ist. Hinter der auf dem Foto erkennbaren Hütte stehen die kleinen Zelte der Kerngruppe des "Kunst-Raumes".

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