Neue Berichte aus Genf
Hallo Zusammen,
Hanni hat ja schon gestern von den Protesten außerhalb des Kongressgeländes am Montag und den Tagen davor berichtet. Ich hatte ja die Ehre, für Attac in den NGO-Bereich des Kongressgeländes eindringen zu dürfen. Natürlich ganz legal. Zum Einstieg hatte uns Pascal Lamy seine Sicht der Dinge erklärt. Eigentlich sei alles ganz einfach. Die Probleme von Hunger und der Finanzkrise hätten rein gar nichts mit dem Wirken der WTO zu tun. Aber eine weitere Liberalisierung des weltweiten Handels- und Wirtschaftssystems könne uns aus der Krise führen. Einer weiteren Deregulierung der Finanzmärkte durch die WTO führe zum Wohle aller.
Wir – bestehend aus einer bunten Zusammensetzung aus den verschiedensten Gruppen und NGOs und deren Netzwerken wie „Our World Is Not For Sale" (OWINFS) – konnten dieser Logik nicht so richtig folgen. Was uns dazu veranlasste, dies am Ort des Geschehens lautstark kund zu tun. Wir machten uns also auf den Weg zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung. In das Gebäude des Geschehens zu gelangen war mit Akkreditierung kein Problem. (Bild 100_1136)
So standen wir vor dem Saal der Eröffnungsreden mit einem Transparent und sangen:
„No new round, turn around
the world has had enough
all your threats an 'bluffs an' bets
are simply empty stuff
Ooh
Doha's dead so go away
We've had enough of you
Aid for trade is the game you play
Its empty through and through"
Chorus:
"Stop double U T O
From threatening the poor lands
your mouths are full of lies and empty
are your hands"
Das nächste Lied und weitere Parolen rundeten unseren Auftritt ab. Nachdem wir gebührend zur Kenntnis genommen wurden, zogen wir uns wieder zurück. Wir hatten uns vorgenommen, unseren Protest sowohl innerhalb des Kongresszentrums als auch außerhalb auf der Straße sichtbar zu machen.
Heute ist Dienstag, der 1.12.
Schon morgens um 7:30 findet eine Blockade von Via Campesina mit internationaler Unterstützung am Eingang der WTO statt.
(Bild DSCF8852)
Um 9 Uhr treffen wir uns wie an jedem Morgen zum Informationsaustausch. Hier sammeln wir unsere Einzelinformationen aus den verschiedenen Landesdelegationen und besprechen die Aktivitäten des Tages.
Heute gibt es über den Tag verteilt eine Reihe von Veranstaltungen. Ich werde nur an einem Bruchteil teilnehmen können. Entscheide mich dann für eine Veranstaltung, auf der es um eine Gesetzesvorlage geht, die aus der Zivilgesellschaft in den USA entstanden ist und in der es um eine sozialverträgliche und ökologische Handelspolitik geht. Lori Wallach von Public Citizen stellt die Auseinandersetzung um den „Trade Reform, Accountability, Development and Employment (TRADE) Act" vor. Die Initiative ist bewusst auf die Nach-Bush-Ära ausgelegt, sie soll emanzipatorische Elemente durch Beteiligung der Zivilgesellschaft und eine Umkehr in der Handelspolitik einleiten. Die Initiative hat mittlerweile durchaus Unterstützung von einer Reihe von Parlamentariern. Auch wenn das Projekt in den USA eine Gesetzesinitiative ist, hat sie inhaltlich Ähnlichkeiten mit der Auseinandersetzung in Europa um ein alternatives Handelsmandat.
Um 14 Uhr sind wir wieder mit den AktivistInnen von Via Campesinas unterwegs. Heute wird das Agrobusiness aufs Korn genommen. Einige haben in Genf ihren Sitz. Kleinbauern aus allen Teilen der Welt sind nach Genf gekommen, um gegen diese Konzerne und deren Handeln zu protestieren. BUNGE steht für eine expansive Soya Produktion. Den Produzenten, die für BUNGE Soya erzeugen, wird vorgeworfen, ihre Arbeiter unter sklavischen Bedingungen zu halten. Cargill ist als Preisdrücker im Agrobusiness und als einflussreicher Lobbyist berüchtigt. (Bild Genf 392 und 396)
Bis zur nächsten Aktion schau ich bei einer Veranstaltung über Global Europe vorbei. Dort geht es um die EU Handelspolitik und deren Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Arbeitsverhältnisse.
Auch heute wollen wir nicht nur draußen in der Statt demonstrieren. Wir machen uns also um 17 Uhr, bewaffnet mit Transparent, Lamy Maske und zwei Geist-Kostümen, wieder auf den Weg in das Kongresszentrum. Dort werden Pascal Lamy die WTO-Geister ausgetrieben. (Bild Genf 399 und 400)Auch heute wird die Aktion musikalisch untermauert:
Melodie „These boots are made for walking
Text von (Our world is not for sale)
You've been saying' you can give the answers
Since Seattle you know its a mess
Doha's dead and Cancun stopped the show yeah
So what's right is right but you ain't bin right yet
This movement's made for walking
And that's just what it do
Don't scrooge up our future
Or we'll walk all over you
...
Für 18:30 Uhr hatte uns die deutsche Delegation in der ständigen Vertretung eingeladen. So richtig erhellend war der Austausch von Positionen (wie erwartet) nicht. Weiterhin gilt für die Bundesregierung: Deregulierung schafft Arbeitsplätze und Wohlstand.
Roland

Lieber Roland, Hier das
Lieber Roland,
Hier das mail von vor einigen Tagen an Alexis mit den Kontalten zu Fritz 0176 666 8181 7 und Rainer 0172 8773 757
Lieber Alexis, liebe FreundInnen und Freunde gegen S 21,
das Bündnis war sich gestern Abend sehr einig, dass wir nach Ende der Gespräche, spätestens Anfang Dezember ein starkes Zeichen setzen sollten mit einer bundesweiten Großdemo. Als Termin halten wir den 11. Dezember am geeignetsten.
Du hattest als Bundesvertreter von attac angeboten, am kommenden Wochenende in einer Telefonkonferenz mit allen bundesweit vertretenen Parteien und Verbänden, die eine solche Mobilisierung organisieren und sinnvoll unterstützen können, eine Telefonkonferenz zu vereinbaren.
Vom Bündnis würden sich an Telefonkonferenz und weiterer Koordination Rainer Benz von unserer Demo-AG (Rainer.Benz@rbw-werbeagentur.de) und Fritz Mielert von den ParkschützerInnen (fritz.mielert@gmx.de) beteiligen.
Es wäre schön, wenn wir am Wochenende schon zu einem grundsätzlichen Konsens kommen könnten. Wir brauchen schnell ein starkes Signal, damit die Demos während laufender Gespräche weiter motiviert werden. Zudem könnten wir dann auf der Großkundgebung am Potsdamer Platz am 26. schon für einen „Gegenzug nach Stuttgart“ mobilisieren.
Die unter Cc angeschriebenen sind bei weitem nicht vollzählig. Du wirst wissen, oder wir können zusammen überlegen, wer noch anzusprechen wäre.
Vielen Dank für Deine Mühe und viel Erfolg für dieses Projekt!
& Gruß von Werner
Werner Sauerborn
0711 631 613
0171 - 761 95 36
(bitte nicht mehr: werner.sauerborn@verdi.de)
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