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Stiglitz stärkt Protestierenden den Rücken

Mittwoch nachmittag:

Während es in unserer Zeltstadt eher gemütlich zugeht und immer wieder Regenschauer die Leute unter die Pavillons treiben, wirft die Nachmittagsveranstaltung ihre Schatten voraus: Joseph Stiglitz wird erwartet, zur großen Diskussion in der Monumental Baptist Church neben der „Tent City“ (Ja, ich weiß, eigentlich ist es anders herum richtig). Davor ist Pressekonferenz. Die Journalisten-Dichte nimmt zu. Ich bin verabredet mit einem ARD-Fernseh-Team und einer Radio-Journalistin.

Der große Gemeindesaal, der uns in den letzten Tagen als Aufenthaltsraum diente, ist besonders aufgeräumt, ein Podium für den prominenten Gast und seine Mit-Podianten bereit gestellt.

 

Joseph Stiglitz stößt auch bei den Journalisten auf viel Zustimmung, wenn er beispielsweise sagt, dass die G20 sich davor drücken, das Problem der Banken anzugehen, die „too big to fail“ sind. Er hinterfragt, ob der IWF die Plattform sein kann, die die Welt aus der Finanzkrise hinaus begleiten soll, wo genau dieser Weltwährungsfonds so entscheidenden Anteil an Verarmung und Krisen-Vorbereitung in aller Welt hatte. Auch macht er klar: G20 ist ein Fortschritt gegenüber dem Eliteclub der G8 – aber es gibt 192 Länder auf der Welt und keine Rechtfertigung, 172 davon auszuschließen bei großen Zukunftsfragen.

 

Als es losgeht in der Kirche, sind noch einige Plätze, aber keine Bank mehr frei. Viele Leute haben sich auf den Weg in den Hill District gemacht, die hier sonst nicht anzutreffen sind. Unsichtbare Trennlinien gibt es in dieser Stadt. Eine Journalistin erzählt, dass der Taxifahrer sie gewarnt habe vor der vielen Gewalt in diesem Viertel. So viele weiße Gesichter wie an diesem Tag bekommt die Kirche nicht oft zu sehen. Die Veranstaltung ist eher „NGO-like“, was auch dazu führt, dass viele der Leute aus der Zelt-Stadt lieber unter dem Regenunterstand bleiben.

Stiglitz ermuntert die Menschen, Mitsprache einzufordern. Er mahnt wieder, dass es keine Banken geben dürfe, die das Prädikat „too big to fail“ verdienten und weist darauf hin, dass die Finanzlobby viele Politiker dafür gewonnen habe, zunächst eifrig zu deregulieren, dann fleißig Bankenrettungen zu betreiben und jetzt Regulierungen möglichst zu unterlassen.

 

 

In der Kirche ist es stickig-schwül. Wie gut, dass an jedem Platz Fächer neben den Bibeln bereit liegen: Mit Martin Luther King – Porträt bringen sie ein bisschen Wind um die Nasen.

 

 

Nach Stiglitz spricht Emira Woods vom Institut für „policy studies“. Innerhalb von Minuten verzaubert sie ihre ZuhörerInnen. Sie macht es ihnen nicht einfach, denn erst einmal stellt sie klar, dass eine Dreifach-Krise zu überwinden ist: Eine Krise des Klimas, der Ressourcen und die Finanzkrise. Dafür seien 20 Länderchefs nicht die Richtigen. Es müsse darum gehen, allen 6 Milliarden Menschen auf der Welt eine Stimme zu geben und die verschiedenen Bedürfnisse anzuhören.

Nachdem so lange Zeit die Banker, die Reichen, immer nur einige Menschen profitiert hätten, sei es nun an der Zeit, „genug!“ zu sagen. Es gehe darum, die Würde der Menschen zu schützen, weltweit. Die Abhängigkeit vom Öl müsse überwunden werden.

Sie endet mit einem emotionalen Apell, einander die Hände zu reichen und gemeinsam einen besseren Weg einzufordern und aufzuspüren. Die ganze Kirche ruft mit ihr zusammen „People power!“ und viele stehen auf, um lange klatschend für diese Rede zu danken.

 

Nach ihr schließt Carl Redwood von der Consens-group des Hill Districts die erste Vortragsrunde. Er betont, Widerstand müss auf allen Ebenen stattfinden. Global, national und lokal. Wer beispielsweise gerettet oder massiv unterstützt werde und wer nicht, das sei selbst im Hill District dauernd ein Thema: Die „Penguins“ und ihre Förderer bekamen für ihre neue Arena 750 Millionen Dollar Steuergeld zur Verfügung gestellt. Heute trägt sie den Namen Mellon-Arena (nicht zufällig den selben Namen wie die teuer gerettete Bank). Auf der anderen Seite habe die Community der Stadt erst nach langen Kämpfen 10 Millionen abgerungen. Das war natürlich besser als nichts – aber doch auch Ausdruck, wie unausgeglichen staatliche Subventionen fließen.

 

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