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News from Attac Austria

Syndicate content attac.at: Pressemeldungen
Pressemeldungen von attac.at
Updated: 2 hours 51 min ago

Attac kapert Bank Austria-Eröffnung: Systemrelevante Banken zerteilen!

Fri, 14/09/2018 - 15:36
Anlässlich des zehnten Jahrestags der Pleite von Lehman Brothers am 15. September kritisiert Attac heute mit einer Aktion bei der Eröffnung des neuen Bank Austria-Headquaters das ungelöste Problem systemrelevanter Banken. Fotos: https://www.flickr.com/photos/attac-austria/albums/72157701004378864
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10 Jahre nach Lehman: Die politische Macht des Finanzsektors ist ungebrochen

Fri, 14/09/2018 - 09:08
Morgen, am 15. September, jährt sich der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers zum zehnten Mal. Doch noch immer sind die Finanzmärkte viel zu schwach reguliert und ein großes Risiko für Wirtschaft und Gesellschaft, kritisiert Attac Österreich. Viele der großen Ankündigungen von 2008 für eine strenge Regulierung des Finanzsektors haben sich als heiße Luft erwiesen. Verantwortlich dafür ist die ungebrochene wirtschaftliche und politische Macht des Finanzsektors.

Egal ob die Zerteilung systemrelevanter Banken, die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken, die Regulierung von Schattenbanken (die bereits 40 Prozent des EU-Finanzsystems ausmachen) oder ein Verbot riskanter Finanzprodukte und Geschäftspraktiken – keine dieser Mindestanforderungen für eine strengere Regulierung des Finanzsektors wurde umgesetzt. Die Finanztransaktionssteuer wurde erfolgreich von den Finanzlobbys gekillt und auch die Eigenkapitalanforderungen für Großbanken sind nach wie vor viel zu gering. „Das Risiko einer schweren Finanzkrise heute nicht geringer als 2008. Und im Ernstfall müssen dann wieder wir die Kosten tragen“, kritisiert Lisa Mittendrein von Attac. 

Attac fordert, den Finanzsektor streng zu regulieren und Banken auf ihre Grundfunktion – die Vergabe von Krediten und die sichere Verwaltung von Spareinlagen – zu beschränken. „Die Finanzmärkte müssen der Gesellschaft dienen, nicht umgekehrt“, erklärt Mario Taschwer von Attac.

Banken sind heute „systemrelevanter“ als 2008

Das Problem der systemrelevanten Banken hat sich seit der Krise noch verschärft. Die Anzahl der global systemrelevanten Banken ist mit 30 höher als noch 2011. In der Eurozone sind die vom Finanzsektor gehaltenen Vermögenswerte mehr als sechsmal so groß wie die gesamte Wirtschaftsleistung. Auch die neuen EU-Abwicklungsregeln können im Krisenfall nicht verhindern, dass der Staat die Großbanken mit öffentlichem Geld retten muss. In den USA halten die „Big Six“ (JP Morgan Chase, Citigroup, Wells Fargo, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley) heute fast doppelt so viele Vermögenswerte wie vor zehn Jahren.

Logik des Finanzsektors durchzieht immer mehr Lebensbereiche

Die Logik des Finanzsektors mit seinen kurzfristigen und hohen Kapitalrenditen durchzieht immer mehr Lebensbereiche – ob im Rohstoff- und Agrarsektor, bei der Pensionsvorsorge, beim Klimaschutz (Handel mit Klimazertifikaten) oder beim Bau von Infrastruktur. „Grundbedürfnisse wie Ernährung, Wohnen, Gesundheit, Bildung müssen unabhängig vom profitorientierten Finanzsektor zugänglich sein“, fordert Lisa Mittendrein von Attac.

Attac-Aktion am Freitag, 14. September / Europäischer Aktionstag „Change Finance“

Attac wird heute zu Mittag mit einer Aktion vor einer systemrelevanten österreichischen Bank gegen die ungebrochene Macht des Finanzsektors protestieren. Fotos dazu folgen am Nachmittag per Aussendung auf https://www.flickr.com/photos/attac-austria/albums/72157701004378864

Rund um den 15. September finden in ganz Europa Aktionen statt. NGOs und soziale Bewegungen haben sich unter dem Motto „Change Finance“ zusammengeschlossen. Mehr Infos: https://www.changefinance.org 
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Wir haben eure Agrarpolitik satt!

Fri, 07/09/2018 - 10:30
Hinter dicken Schlossmauern treffen sich am 25. September die AgrarministerInnen der EU-Mitgliedsstaaten, um die Weichen für die Landwirtschaft und Ernährung der Zukunft stellen. Statt einer grundlegenden Kurskorrektur wird ein „Weiter-wie-bisher“ aufgetischt. Diese Politik hat uns Höfesterben und Agrarfabriken eingebrockt und verschärft die Klimakrise. Als KonsumentInnen, Bauern und Bäuerinnen und ArbeiterInnen müssen wir jetzt auslöffeln? Wir haben es satt! Deshalb schlagen wir Alarm! Wann: Dienstag, 25. September um 8:00 Uhr
Wo: Schloßhof 1, 2294 Schloßhof (Karte: Open Source Map für die Aktion) Wir stehen für eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, die das Klima schont, für artgerechte Tierhaltung, gerechten Handel, gute Arbeitsbedingungen und gutes Essen für alle! Mit Kochtöpfen und Löffeln werden wir am 25. September, um 8:00 Uhr laut sein und die MinisterInnen daran erinnern, dass es unsere Zukunft ist, über die sie entscheiden. Wir werden mit Fahrrädern und Traktoren vor Ort sein, um ein deutliches Zeichen für eine gerechte Politik statt Profite für wenige zu setzen. Es ist noch nicht Hopfen und Malz verloren: Bei Suppe, Bier und Saft, auf Stroh gebettet, laden wir JournalistInnen, PolitikerInnen und alle Interessierten ein, über Landwirtschaft und eine gerechte Agrar- und Lebensmittelpolitik zu diskutieren. Nimm Kochtopf und Löffel und sei mit uns laut für die Agrarwende. Für eine demokratische Lebensmittelpolitik jetzt! Plakat ansehen Bitte mitbringen:
Bring einen Kochtopf und einen Löffel mit. Damit werden wir für eine Agrarwende laut sein und zeigen, dass wir nicht auslöffeln, was uns diese Politik eingebrockt hat.
Wenn es möglich ist, kommt mit deinem Fahrrad. Das ermöglicht dir dich im Gelände vor Ort zu bewegen, da die Wege zu Fuß etwas weit sind (ca. 20 min mit dem Fahrrad). Wir werden aber auch mit Bussen und Autos vor Ort sein um Euch zu transportieren! Komm auch gerne in Dirndl und Lederhose wenn du willst. Bei der Gestaltung der Dindlschürze und des Hosenlatzes kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen.
Oder du gestaltest ein eigenes Schild oder Transparent und zeigst damit den MinisterInnen, was Du von ihrer Agrarpolitik hältst und was es für ein gutes Essen für alle braucht! Versorgung vor Ort
Vor Ort warten wir mit Suppe, Saft & Bier, Strohballen und Musik auf dich, denn wir wollen auch zeigen, wie das gute Leben aussehen kann! Die rote Stecknadel vor dem Schloss zeigt dir wo wir stehen werden Anreise von Wien
Treffpunkt für alle, die von Wien aus gemeinsam Anreisen wollen, ist um 7:00 am Bahnsteig am Hauptbahnhof. Wir fahren mit dem REX 2506 um 07:16 nach Marchegg. Unterwegs gibt es Einstiegsmöglichkeiten beim Bahnhof Simmering, Bahnhof Stadlau, Wien Hausfeldstraße Bahnhof und Siebenbrunn-Leopoldsdorf Bahnhof.
Bitte trag dich in die Liste ein, wenn du mit dem Fahrrad mitfährst, damit wir einen Stellplatz im Zug reservieren können! Gerne anonym! Vollbildanzeige Eine gemeinsame Aktion der Plattform “Wir haben es satt!”
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Vor ECOFIN in Wien: EU-MinisterInnen schützen Banken und Konzerne

Thu, 06/09/2018 - 11:26
Am 7. und 8. September treffen in Wien die EU FinanzministerInnen zu einer informellen Tagung (ECOFIN) zusammen. Zusätzlich tagen im Vorfeld auch die MinisterInnen der Eurogruppe. Für das globalisierungskritische Netzwerk Attac zeigt die Agenda der Treffen (1), dass dabei keine der dringenden wirtschaftspolitischen Probleme debattiert werden. Das Motto der österreichischen EU-Präsidentschaft „Ein Europa, das schützt“, gilt in erster Linie für Banken und Konzerne.

Schutz für die Finanzindustrie: Die Finanztransaktionssteuer ist tot

Die Finanztransaktionssteuer ist tot. Die Finanzindustrie hat erfolgreich alle Pläne sabotiert, die FinanzministerInnen sind einmal mehr ihre ErfüllungsgehilfInnen. Den letzten Grabstein setzte im Juni der deutsche Finanzminister Olaf Scholz indem er den Vorschlag von Emanuel Macron aufgriff, die Steuer auf Aktien zu beschränken. Nicht erfasst wären damit aber genau jene Finanzinstrumente, die der Spekulation dienen und die Wirtschaft destabilisieren - darunter Derivate und alle außerbörslichen Transaktionen. Damit entfällt auch die erhoffte Lenkungsfunktion der Steuer völlig.

Schutz für Konzerne: Keine Rezepte gegen Steuerdumping

Keine wirksame Lösung gibt es auch beim Steuerdumping von Konzernen. Österreich und Deutschland blockieren weiterhin alle Vorschläge für mehr Steuertransparenz (öffentliche länderweise Konzernberichte) in der EU. Die Pläne für eine gemeinsame konsolidierte Bemessungsgrundlage der Körperschaftssteuer(GKKB) bleiben auf halber Strecke stehen und sehen keine faire Aufteilung der Gewinne und somit keine effektive Lösung gegen Gewinnverschiebungen vor. Die dringend nötigen Mindeststeuersätze für Unternehmen in der EU stehen nicht zur Debatte – im Gegenteil: Neben anderen Ländern plant nun auch Österreich die Körperschaftssteuer zu senken und so das europäische Steuerdumping weiter anzuheizen. Die Pläne für eine vorübergehende Besteuerung der Digitalkonzerne in der EU bieten keine echte Lösung, zu eingeschränkt ist der geplante Anwendungsbereich. Finanzminister Löger betreibt auch auf nationaler Ebene Scheinpolitik: Er will die Werbeabgabe zwar auf den digitalen Bereich ausweiten, aber gleichzeitig den Steuersatz von fünf auf drei Prozent senken – im besten Fall ein Nullsummenspiel und ein Geschenk für die österreichische Werbebranche.

Schutz für Banken: 10 Jahre nach Lehman weiter keine Regulierung in Sicht

10 Jahre nach der Lehman-Pleite gibt es keinerlei Anstrengungen der FinanzministerInnen mehr Finanzkrisen vorzubeugen und Banken strenger zu regulieren. 2018 sind mehr Großbanken denn je „too big to fail“ und stark untereinander vernetzt. Spekulative Geschäfte und Instrumente wurden nicht verboten. Die Entwürfe für ein Trennbankensystem verschwanden in den Schubladen der EU-Bürokratie. Mit der EU-Kapitalmarktunion werden Schattenbanken sogar gefördert statt reguliert. Eine Finanzkrise wie im Jahr 2008 ist heute genauso wahrscheinlich wie damals. Sowohl die leicht erhöhten Eigenkapitalvorschriften für Banken als auch der EU-Rettungsfonds sind im Falle einer Krise viel zu schwach.
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Attac an EU-VerteidigungsministerInnen: „Waffen gehören ins Museum“

Wed, 29/08/2018 - 11:23
Mit einer Fotoaktion vor dem heutigen informellen Rat der EU-VerteidigungsministerInnen in Wien kritisiert Attac die aktuell vorangetriebene Militarisierung der EU scharf. AktivistInnen erwarten die MinisterInnen vor dem Heeresgeschichtlichen Museum mit dem Transparent „Waffen gehören ins Museum. Nein zu Aufrüstung und Abschottung.“ Attac fordert ein Stopp der österreichischen Beteiligung an der fortschreitenden EU-Militarisierung und einen Ausbau der aktiven Friedenspolitik.

Bilder: https://www.flickr.com/photos/attac-austria/

PESCO - Erhöhung der Militärbudgets wird verpflichtend

Im Rahmen der "Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit" in Verteidigungsfragen (Permanent Structured Cooperation, PESCO) haben sich die Mitgliedsstaaten inklusive Österreich verpflichtet, ihre Militärbudgets regelmäßig real stark zu erhöhen. Dazu zählt auch die Verpflichtung zu Waffenkauf und Ausbau der Militärforschung. Die Teilnahme an und Unterstützung von Kampfeinsätzen wird verpflichtend. „PESCO soll dazu dienen die wirtschaftlichen Interessen der EU auch immer stärker militärisch abzusichern“, kritisiert Bérénice Hebenstreit von Attac.

Regierungen können sich auf EU-Entscheidungen ausreden

Aktuell werden immer mehr Entscheidungen in der Militärpolitik auf die EU-Ebene verlagert. „Im Vorgehen der europäischen Eliten und Regierungen steckt auch taktisches Kalkül: Durch die Verlagerung auf die EU-Ebene schaffen sich die Regierungen die Möglichkeit, Kriegseinsätzen zuzustimmen und sich dabei auf „EU-Entscheidungen“ auszureden. Damit kann man sich leichter gegen Kritik aus der Bevölkerung immunisieren“, erklärt Hebenstreit. Diese Strategie wird in der Wirtschaftspolitik seit Jahrzehnten verfolgt.

Die Rüstungslobby profitiert und ist eng eingebunden

In der nächsten Finanzperiode stellt die EU direkt 30 Milliarden Euro für Rüstung und Militarisierung auf. Indirekt und eingerechnet der erhöhten Budgets der EU-Länder ist es ein Vielfaches. (1) Das ist auch nicht überraschend, denn die Rüstungs-Lobby ist eng in die Entwicklung der neuen EU-Militärpolitik eingebunden. Die EU-Kommission ließ sich etwa beim European Defense Fund in der Mehrheit von Rüstungskonzernen beraten. (2)

„Die Rüstungsindustrie die DER Profiteur der neuen EU-Militärpolitik“, sagt Hebenstreit. „Waffenproduzenten und Sicherheitsfirmen verdienen schon seit Jahren an der Abschottungspolitik und Verschärfung des europäischen Grenzregimes (3) während soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Solidarität und eine aktive Friedenspolitik auf der Strecke bleiben.“
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(1) 13 Mrd. für den European Defense Fund, 6,5 Mrd. für strategische militärische Transportinfrastruktur (im Rahmen von Connecting Europe) und 10,5 Mrd. für die European Peace Facility (ausserhalb des EU Budgets). Finanzperiode 2021-2027,

(2) Siehe: The Military-Industrial Complex Is Fundamentally Changing the European Union:
https://www.thenation.com/article/the-military-industrial-complex-is-fundamentally-changing-the-european-union/
und: https://derstandard.at/2000083848306/Die-EU-Kommission-ein-Selbstbedienungsladen

(3) Siehe dazu: TNI (2018) Expanding the fortress. The policies, the profiteers and the people shaped by EU's border externalisation programme, https://www.tni.org/en/publication/expanding-the-fortress



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Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite - Kommt der Finanz-Crash 2.0?

Tue, 28/08/2018 - 10:02
Die Finanzkrise 2008 war die schlimmste ihrer Art seit der großen Depression 1928. Sie war der Auslöser der Eurokrise und ist mitverantwortlich für die politische Instabilität in vielen Ländern. Außer zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Attac und einigen heterodoxen ÖkonomInnen hatten nur wenige Stimmen vor den Risiken und der Instabilität der liberalisierten Finanzmärkte gewarnt.

Die wenigen und mageren Reformen nach der Krise hatten geringe Wirkung. Zehn Jahre nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers sind die Finanzmärkte weiterhin brandgefährlich.

Woran liegt das? Was sind die Alternativen? Diesen Fragen geht Isabelle Bourboulon mit dem neuen Attac-Basistext „Kommt der Finanz-Crash 2.0? Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite“ nach (www.attac.de/basistext-finanzkrise). Die französische Autorin wirft einen Blick auf die Ursachen der Krise und geht in allgemeinverständlicher Form der Frage nach, ob diese beseitigt worden sind. Sie untersucht das Krisenmanagement und die Reformen sowie deren Wirkungen und Nebenwirkungen. Dargestellt werden die neuen Tendenzen im Finanzsystem und die Effekte von Nullzinspolitik und Quantitative Easing. Thematisiert werden neue Risiken, wie die öffentliche und private Überschuldung in vielen Ländern.

Ausführlich stellt Bourboulon emanzipatorische Alternativen zum großen Kasino dar – von realpolitisch relativ einfach machbaren Reformen bis hin zu weiter ausgreifenden Zukunftsvorstellungen für ein Finanzsystem, das im Interesse der Allgemeinheit funktioniert.

Isabelle Bourboulon ist Journalistin, Buchautorin und Radioproduzentin unter anderem für France Culture und Le Monde Diplomatique. An der Redaktion mitgewirkt haben der Wirtschaftswissenschaftler Dominique Plihon (Attac Frankreich), Myriam Vander Stichele von SOMO (Centre for Research on Multinational Corporations, Amsterdam) und Peter Wahl von Attac Deutschland. Der Basistext erscheint in Deutsch, Englisch Französisch und Spanisch.

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TERMINHINWEISE:

Aktionen am Jahrestag der Lehman-Pleite: Mit europaweiten Aktivitäten unter dem Motto „Finance for the People!“ fordert Attac rund dem zehnten Jahrestag der Lehman-Pleite, Banken und Finanzmärkte endlich demokratisch zu kontrollieren.

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Isabelle Bourboulon: „Kommt der Finanz-Crash 2.0? Zehn Jahre nach der Lehman Pleite: Für ein Finanzsystem im Interesse der Vielen“,
AttacBasisTexte 53, 80 Seiten, aus dem Französischen von Peter Wahl, 7 Euro, ISBN 978-3-89965-838-5

Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis:
www.vsa-verlag.de/uploads/media/www.vsa-verlag.de-AttacBasisTexte53-Bourboulon-Finanz-Crash.pdf

Kontakt Rezensionsexemplare: David Walch, Pressesprecher Attac Österreich, presse@attac.at

Bestellen: www.attac.de/basistext-finanzkrise

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Für Rückfragen und Interviews:

* Lisa Mittendrein, Attac Österreich, Tel. +43 664 212 1680
* Peter Wahl, Attac Deutschland, Tel. +49 152 0291 1257
* Dominique Plihon, Attac Frankreich, Tel. +33 682 222 711 (Französisch, Englisch)

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Das Griechenland-Programm endet, die Verarmungspolitik geht weiter

Mon, 20/08/2018 - 07:57
Am Montag, den 20. August endet nach über acht Jahren das europäische Kreditprogramm für Griechenland. Doch für Attac Österreich ist das kein Grund zur Freude. „Nicht nur wurden die griechische Gesellschaft und Wirtschaft zugrunde gerichtet. Die Überwachung und der Zwang zu immer weiterer Verarmungspolitik werden noch Jahrzehnte weitergehen“, sagt Lisa Mittendrein, Referentin für Eurokrise und Finanzmärkte bei Attac. Verstärkte Überwachung und Kürzungs-Automatismus Griechenland tritt mit Ende des Programms in eine sogenannte „verstärkte Überwachung“ ein. Bis 75 Prozent der Schulden beglichen sind, wird die Troika weiterhin alle drei Monate in Athen die Einhaltung der Kürzungspolitik prüfen. „Selbst optimistischen Annahmen zufolge wird das bis 2059 der Fall sein. Damit entzieht die EU Griechenland über mehrere Generationen hinweg die politische Souveränität“, kommentiert Lisa Mittendrein. Griechenland darf in dieser Zeit keine der aufgezwungenen Maßnahmen der letzten Jahre rückgängig machen. Außerdem kann die Kommission neuerliche Einschnitte von Griechenland fordern, wenn der Europäische Rat sie nicht binnen weniger Tage ablehnt. Hinzu kommt die Wirkung eines sogenannten Eventualmechanismus, der mit dem dritten Programm durchgesetzt wurde. Sollte Griechenland das selbst vom IWF als unrealistisch betrachtete Primärüberschussziel von zunächst 3,5% pro Jahr nicht einhalten, werden die Staatsausgaben automatisch im fehlenden Ausmaß gekürzt. „Auf die griechische Bevölkerung kommen also aller Wahrscheinlichkeit weitere von der EU erzwungene Verarmungsmaßnahmen zu“, fasst Lisa Mittendrein zusammen. Die politische Rolle der EZB setzt sich fort Die Europäische Zentralbank (EZB) wird im Rahmen der verstärkten Überwachung eine zentrale Rolle einnehmen. Um die Regierung in die Knie zu zwingen, kappte sie dem griechischen Bankensystem schon 2015 gezielt die Liquidität und beschädigte damit die dortige Wirtschaft weiter. Nun zieht die EZB ihren „Waiver“ zurück, dank dem Banken griechische Staatsanliehen als Sicherheiten hinterlegen konnten. Das führt sofort zu mehr Instabilität im griechischen Bankensystem und könnte dieses erneut von Notfallliquidität abhängig machen. Der Grund für die Rücknahme des „Waivers“ liegt in den schlechten Ratings griechischer Staatsanleihen. Dazu Lisa Mittendrein: „Hier wird die ganze Absurdität der sogenannten Griechenland-Rettung deutlich. Die Troika – und damit auch die EZB - zwingen Griechenland desaströse Kürzungspolitik auf und verweigern einen Schuldenschnitt. Auf Grund des untragbar hohen Schuldenstandes und der schlechten Wirtschaftslage erhält Griechenland schlechte Ratings – was die EZB wiederum nutzt um Griechenland zu sanktionieren.“ Staatsschulden nicht nachhaltig Dass Griechenland seine Staatsschulden jemals zurückzahlen kann, bleibt unrealistisch. Denn der Schuldenstand ist mit den Kreditprogammen nur weiter gestiegen und beträgt heute 180% des BIP. Nicht einmal der Internationale Währungsfonds (IWF) hält die griechischen Staatsschulden für tragbar, wie seinem letzten Griechenland-Bericht zu entnehmen ist. „Schon 2010 wäre der einzig richtige Schritt ein Schuldenschnitt für Griechenland gewesen. Doch stattdessen wurden hunderte Milliarden an öffentlichen Geldern über den Umweg Griechenlands indirekt in den europäischen Bankensektor gepumpt. Nur bei den Menschen in Griechenland blieb von diesen Geldern nichts hängen. Sie haben sogar teuer für diese Politik bezahlt“, argumentiert Lisa Mittendrein. Banken gerettet, Bevölkerung verarmt Attac Österreich veröffentlichte 2013 die erste Studie, die aufdeckte, dass die Gelder aus den sogenannten Rettungsprogrammen großteils direkt in den europäischen Bankensektor flossen. Dies geschah über die Rückzahlung alter Schulden, Zinszahlungen und die Rekapitalisierung der griechischen Banken. Die griechische Bevölkerung sah nichts von all dem Geld. Eine neuere Studie des ESMT kam zu dem Schluss, dass nur 5 Prozent der Gelder aus den ersten zwei Programmen an die öffentliche Hand flossen. „Trotzdem behaupteten die politisch Verantwortlichen, dieses Geld käme Griechenland und den Menschen dort zu Gute. Das Gegenteil ist der Fall“, kommentiert Lisa Mittendrein. Griechenlands Wirtschaft wurde durch die Kürzungsprogramme zerstört. Während im Inland die Nachfrage komplett einbrach, gibt es keine Anhaltspunkte, dass die erzwungene Kürzungs- und Lohnsenkungspolitik die Exportfähigkeit Griechenlands verbessert hat. Seit Beginn der Krise ist das BIP um ein Drittelgefallen – das ist historisch nur mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930ern zu vergleichen. Über ein Viertel der Bevölkerung und die Hälfte aller Jugendlichen wurden arbeitslos. Und selbst wenn heute die offizielle Arbeitslosenrate auf 20% gefallen ist, so ist das kein Grund zur Erleichterung. „Es gibt viel verdeckte Arbeitslosigkeit in Griechenland, die nicht in der Statistik aufscheint. Hinzu kommt eine halbe Million Menschen, die in der Krise Griechenland verlassen haben um ihren Lebensunterhalt anderswo zu verdienen. Und die neuen Jobs, die in den letzten Jahren entstanden sind, sind prekär und schlecht bezahlt.“ „Die politischen Eliten von Merkel über Juncker bis Draghi tragen eine enorme Schuld gegenüber Griechenland. Sie haben das Land über Generationen hinweg verarmt, anstatt den europäischen Finanzsektor seinen gerechten Beitrag an den Kosten der Krise zahlen zu lassen. Die Griechenland-Programme sind das vermutlich größte wirtschaftspolitische Verbrechen in der Geschichte der Eurozone“, zieht Lisa Mittendrein Bilanz. Quellen: IWF-Bericht: http://www.imf.org/en/Publications/CR/Issues/2018/07/31/Greece-2018-Article-IV-Consultation-and-Proposal-for-Post-Program-Monitoring-Press-Release-46138
Attac-Studie zur Verwendung der Kredite: https://www.attac.at/fileadmin/_migrated/content_uploads/hintergrundmaterial_bailout_deutsch.pdf
ESMT-Studie: http://static.esmt.org/publications/whitepapers/WP-16-02.pdf ----------------------------

Lisa Mittendrein
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Tel:   +43 (0)1 544 00 10 - 10
Mobil: +43 (0) 664 21 21 680
lisa.mittendrein@attac.at, www.attac.at
Margaretenstraße 166/3/25, A-1050 Wien

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