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News from Attac Austria

Syndicate content attac.at: Pressemeldungen
Pressemeldungen von attac.at
Updated: 2 hours 8 min ago

Attac: Scheitern der EU-FTS ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen

Wed, 31/10/2018 - 13:06
Attac kritisiert das Finanzminister Löger angekündigte Ende der EU-10 Verhandlungen zur Finanztransaktionssteuer (FTS). „Zehn Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise ist die Nicht-Einführung der Finanztransaktionssteuer ein Schlag ins Gesicht der Menschen in Europa,“ kommentiert Lisa Mittendrein von Attac Österreich. „Die europäischen Finanzminister machen klar, dass sie die dringend nötige Regulierung der Finanzmärkte endgültig aufgeben.“

Finanztransaktionssteuer wurde verschleppt und verhindert

Die Verhandlungen zur Finanztransaktionssteuer begannen 2013 auf Basis eines Vorschlags der Europäischen Kommission zwischen zuerst elf, dann zehn Ländern. 2015 übernahm Österreich die Koordination der Verhandlungen, doch diese gerieten ins Stocken und das Vorhaben wurde verschleppt. Dazu Lisa Mittendrein: „Die EU-10 FinanzministerInnen tragen die politische Verantwortung. Sie haben die Einführung der FTS verschleppt und verhindert.“

Löger macht Finanzlobby ein Geschenk

Attac kritisiert auch die Rolle des österreichischen Finanzministers Löger. „Löger ist Koordinator der Zehnergruppe und hat einen Allparteienbeschluss (1) des österreichischen Parlaments zur FTS hinter sich. Es wäre seine Aufgabe gewesen, den Prozess wieder aufzunehmen und für die FTS zu kämpfen. Doch Löger hat sich stattdessen für ein Geschenk an die Finanzlobby entschieden.“

Börsenumsatzsteuer ist keine Alternative

Die von Macron (2) und nun auch Löger vorgeschlagene Börsenumsatzsteuer ist keine Alternative zur FTS. Sie erfasst nur einen kleinen Teil des Handels auf Finanzmärkten, nämlichen jenen mit Aktien. Anleihen und – besonders zentral – Derivate werden nicht besteuert. Damit hat die Steuer keine steuernde Wirkung, wie sie eine FTS hätte, nämlich spekulative Transaktionen zu verteuern und damit unrentabel zu machen.

Attac kämpft weiter

Die Finanztransaktionssteuer war vor 18 Jahren die Gründungsforderung von Attac Österreich. "Selbstverständlich kämpfen wir weiter," sagt Lisa Mittendrein. "Für die Finanztransaktionssteuer und für die Regulierung der Finanzmärkte, in Österreich, Europa und der Welt." Gemeinsam mit unseren zivilgesellschaftlichen Organisationen in ganz Europa wird Attac in den nächsten Monaten neue Strategien entwickeln, um diese Ziele zu erreichen.

Rückfragehinweis:
Lisa Mittendrein, 01/5440010, lisa.mittendrein@attac.at

Links:
(1) https://www.attac.at/kampagnen/10-jahre-finanzkrise/finanztransaktionssteuer/geschichte-der-fts.html#c3355
(2) https://www.attac.at/news/detailansicht/datum/2017/09/27/macron-killt-die-finanztransaktionssteuer.html
Categories: Attac Planet

Nicht ER, nicht jetzt, niemals.

Mon, 29/10/2018 - 08:59
Unsere Solidarität und Unterstützung gilt allen Bewegungen, AktivistInnen und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen, die heute morgen in Brasilien im Alptraum der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro erwacht sind.

Kein Wahlergebnis macht es akzeptabel oder demokratisch, durch aggressive Dämonisierung der politischen Gegner an die Macht zu kommen, soziale Bewegungen als "Terroristen" zu bezeichnen oder die Rechte und Freiheiten jener BürgerInnen zu bedrohen, die zum Sündenbock für die Probleme der Weltwirtschaft gemacht werden. Genau jene, die eine solche Politik betreiben, sind für einige der abscheulichsten Verbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts verantwortlich.

Bolsonaros ekelhafter Rassismus, Sexismus, seine Homophobie und Begeisterung für die Militärdiktatur Brasiliens wurden international ausführlich kommentiert. Bolsonaro ist aber nicht nur eine Bedrohung für die Menschen- und Bürgerrechte. Wird seine Politik umgesetzt, wird sie die Armen Brasiliens weiter verarmen und die Ungleichheit in einem weiterhin sehr ungleichen Land verstärken. Diese Politik wird die Umwelt zerstören und verhindern, dass jene zu Wort kommen, die dagegen Widerstand leisten.

Als im November 2016 Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, befürchteten wir, dass dies weltweit jenen Auftrieb geben würde, die Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Autoritarismus propagieren. Die Wahl von Bolsonaro ist nur das jüngste Beispiel dafür. Wir müssen unbedingt eine globale Opposition zu dieser Politik des Hasses aufbauen und jenen Internationalismus wiederbeleben, den unsere Bewegungen so erfolgreich aufgebaut haben, wenn sie sich Krieg, Neoliberalismus und Unmenschlichkeit entgegenstellen. Wir können nicht zulassen, dass Bolsonaro, Trump oder andere autoritäre Nationalisten, die an die Macht kommen, zur Normalität werden.

Diese neue Form des Faschismus taucht nicht aus dem Nichts auf. Die von Konzernen getriebene Hyperglobalisierung der letzten Jahrzehnte hat das soziale Gefüge auf der ganzen Welt zerrissen. Indem sie das Streben nach Profit zum obersten Ziel der Menschheit erklärt, werden große Teile der Weltbevölkerung nicht mehr vertreten und ausgegrenzt sowie große Teile unseres Planeten verwüstet. Besonders empörend ist, dass viele, die dieses Projekt vorangetrieben haben, nun Politiker wie Bolsonaro und Trump unterstützen, um die Macht des global reichsten 1% zu festigen.

Wir fordern eine radikale Transformation dieses globalen Systems, damit es Menschen und den Planeten über die Profite der Reichen stellt. Wir fordern eine Welt, die auf Gleichheit, vollständiger Anerkennung der Menschenrechte und ökologischer Nachhaltigkeit basiert. Dies ist unser internationaler Kampf - die wichtigste Herausforderung, vor der wir als BürgerInnen, Gemeinschaften und soziale Bewegungen stehen. Es wird nicht einfach, aber die Geschichte zeigt uns, dass wir gewinnen können, wenn wir unsere Hoffnung und unsere Solidarität bewahren.

Eine andere Welt ist möglich.

Das europäische Attac-Netzwerk, 29.10.2018

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português:

#EleNão, nem agora, nem nunca „A todos os movimentos, ativistas e comunidades marginalizadas no Brasil que acordaram essa manhã para o pesadelo de uma presidência de Bolsonaro, enviamos nossa solidariedade e apoio. Nenhum mandato eletivo faz com que seja aceitável ou democrática a ascensão ao poder por meio da demonização agressiva de seus oponentes, da classificação de movimentos sociais como ,terroristas’ ou da ameaça aos direitos e liberdades dos cidadãos que são apontados como bodes expiatórios dos problemas da economia global. Aqueles que praticam uma política dessa forma são responsáveis por alguns dos mais hediondos crimes do séc. XX. O nojento racismo, machismo e homofobia de Bolsonaro, bem como seu entusiasmo pela ditadura militar do Brasil, foram amplamente comentados internacionalmente. Mas Bolsonaro não é simplesmente uma ameaça aos direitos humanos e civis dos cidadãos do Brasil. Se colocadas em prática, as suas políticas irão empobrecer ainda mais os pobres e aumentar a desigualdade em um país que continua bastante desigual. Elas devastarão o meio ambiente e impedirão aqueles que as opõem de denunciá-las. Quando Donald Trump foi eleito presidente dos Estados Unidos, em novembro de 2016, tememos que isso daria confiança aqueles que espalham xenofobia, nacionalismo e autoritarismo ao redor do mundo. A eleição de Bolsonaro é apenas o último exemplo. Precisamos urgentemente construir uma oposição global a essa política de ódio e recriar o internacionalismo que nossos movimentos construíram de forma tão sucedida quando confrontaram a guerra, o neoliberalismo e a desumanidade. Não podemos permitir a continuidade da normalização de Bolsonaro, Trump ou de qualquer outro nacionalista autoritário que buscam chegar ao poder. Essa nova forma de fascismo não surgiu do nada. A hiperglobalização levada à cabo pelas grandes corporações nas décadas recentes rasgou o tecido social das sociedades ao redor do mundo. Ao colocar a busca por lucros como o maior objetivo da humanidade, elas deixaram uma enorme parcela da população global sem representação e marginalizada. E também devastaram grandes partes do planeta. É particularmente revoltante ver muitos daqueles que lideraram o avanço desse projeto apoiando as vontades de Bolsonaro e Trump como uma forma de manterem-se no 1% do poder global. Demandamos uma transformação radical do sistema global que coloque as pessoas e o planeta à frente do lucro dos mais ricos. Demandamos um mundo baseado em igualdade, reconhecimento completo dos direitos humanos e sustentabilidade ambiental. Esta é a nossa luta internacional – o desafio mais importante que estamos enfrentando como cidadãos, comunidades e movimentos. Não será uma vitória fácil, mas a história nos mostra que PODEMOS ganhar se mantivermos esperança e solidariedade. Um outro mundo é possível. Signatários: Global Justice Now, Latin America Bureau, Momentum, Women’s Strike Assembly – UK, Another Europe is Possible, Campaign for Nuclear Disarmament (CND), Stop Trump Coalition, War on Want, The European ATTAC network e individualmente ATTAC Alemanha, ATTAC Espanha, ATTAC ValôniaBR, ATTAC Hungria, ATTAC Irlanda --------------- English: “To all those movements, activists and marginalised communities in Brazil who have woken up this morning to the nightmare of a Bolsonaro presidency, we send our solidarity and support. No kind of electoral mandate makes it acceptable or democratic to rise to power through the aggressive demonisation of your opponents, to label social movements as ‘terrorists’ or to threaten the rights and freedoms of those citizens who you choose to scapegoat for the problems of the global economy. Those who practice such politics are responsible for some of the most heinous crimes of the twentieth century. Bolsonaro’s disgusting racism, sexism and homophobia, and his enthusiasm for Brazil’s military dictatorship, have been widely commented on internationally. But Bolsonaro is not simply a threat to the human and civil rights of Brazil’s citizens. His policies will, if carried out, further impoverish the poor of Brazil and increase inequality in what remains a very unequal country. They will devastate the environment and prevent those standing in the way from speaking out. When Donald Trump was elected US president in November 2016, we feared it would give confidence to those pushing xenophobia, nationalism and authoritarianism around the world. Bolsonaro’s election is just the latest example. We urgently need to build global opposition to this politics of hate, and to recreate the internationalism which our movements have so successfully built when confronting war, neoliberalism and inhumanity. We cannot allow the continued normalisation of Bolsonaro, Trump or any of the authoritarian nationalists rising to power. This new form of fascism did not appear from nowhere. The corporate-driven hyperglobalisation of recent decades has ripped apart the social fabric of societies across the world. In lifting the drive for profit to the highest objective of humankind, it has left huge swathes of the global population unrepresented and marginalised. It has also laid waste to large parts of our planet. It is particularly sickening to see many of those who drove this project forward now supporting the likes of Bolsonaro and Trump as a means of maintain the power of the global 1%. We call for a radical transformation of the global system that puts people and planet ahead of the profits of the wealthy. We call for a world based on equality, the full recognition of human rights, and environmental sustainability. This is our international struggle – the most important challenge we face as citizens, communities and movements. It will not be easily won, but history shows us that we CAN win if we maintain hope and solidarity. Another world is possible.
Categories: Attac Planet

Ein Jahr nach Paradise Papers: Bisher kaum effektive Fortschritte gegen Steuerbetrug

Fri, 26/10/2018 - 08:21
Vor knapp einem Jahr, am 5. November 2017, wurde mit den Paradise Papers ein weiterer hochkarätiger Steuerskandal aufgedeckt. (Übersicht über internationale Steuerskandale siehe: http://bit.ly/2EL8OaI). Der Skandal verdeutlichte erneut das unfassbare Ausmaß globaler Steuerhinterziehung von reichen Einzelpersonen und multinationalen Unternehmen.

Politische Fortschritte sind nur durch mehr Transparenz möglich

„All die Steuerskandale wurden nicht von Regierungen sondern von unabhängigen Medien und mutigen Whistleblowern aufgedeckt. Das beweist, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass Regierungen und ihre Steuerverwaltungen für eine gerechte Besteuerung von Konzernen sorgen – im Gegenteil: Teilweise agieren die Steuerverwaltungen als eifrige Komplizen, wie die Beispiele Luxemburg und Irland zeigen. Der politische Kampf gegen Steuerbetrug und Steuervermeidung kann daher nur durch mehr Transparenz und öffentlichen Druck vorangebracht werden kann“, erklärt David Walch von Attac Österreich. Folgende Maßnahmen sind dabei zentral:

- Es muss öffentlich sein, wieviel Gewinn multinationale Konzerne wo verbuchen und wieviel Steuern sie bezahlen. Aktuell blockiert Finanzminister Löger mit führenden Steuersümpfen wie Luxemburg, Irland, Zypern oder Malta entsprechende Pläne auf EU-Ebene. (1)

- Es muss öffentlich sein, wer hinter Briefkastenfirmen, Stiftungen und Trusts steckt. (2)

- Es muss einen effektiven und weltweiten Informationsaustausch der Steuerbehörden ohne Schlupflöcher geben. (3)

Gesamktkonzernsteuer: Konzerne zahlen dort, wo sie wirtschaftlich tätig sind
 
Damit Konzerne ihren gerechten Steueranteil dort leisten, wo sie wirtschaftlich tätig sind, fordert Attac eine Gesamtkonzernsteuer mit Mindeststeuersätzen in der EU. Dabei werden Konzerntöchter auf Basis des global erzielten Gewinns eines Konzerns besteuert. Dieser Gewinn wird je nach realer Wertschöpfung anteilig auf Länder aufgeteilt und dann entsprechend besteuert. Die Gewinnverschiebungen zwischen Konzerntöchtern hätten damit ein Ende. Diese langjährige Attac-Forderung wird mittlerweile von Ökonomen wie Joseph Stiglitz oder Thomas Piketty unterstützt.

Zusätzlich ist dringend ein Mindeststeuersatz nötig. Dieser würde dem weltweiten Dumping den bei den Unternehmenssteuern entgegenwirken, bei dem die EU-Staaten eine wichtige Rolle einnehmen. Der durchschnittliche Steuersatz für Unternehmen hat sich in 15 EU-Staaten seit 1980 von 49 auf rund 24 Prozent halbiert und sank weltweit im selben Zeitraum von rund 40 auf unter 25 Prozent. „Die Regierungen dürfen nicht nur Lippenbekenntnisse zu den unfairen Steuerpraktiken der Konzerne abgeben, sondern müssen den ruinösen Steuerwettlauf generell beenden“, fordert Walch.

Wieviel entgeht den Staaten?

Durch Steuervermeidung multinationaler Konzerne verlieren die Staaten weltweit jährlich rund 500 Milliarden Euro. Nach konservative Schätzungen der UNCTAD verlieren allein Entwicklungsländer jährlich zwischen 70 und 120 Milliarden US-Dollar. 21 bis 32 Billionen Dollar an privatem Finanzvermögen werden offshore gehalten, schätzte das Tax Justice Network 2012. Den Staaten entgingen dadurch jährlich ungefähr 250 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen. Der Schattenfinanzindex des Tax Justice Networks zeigt, dass nicht vorrangig die fernen (Karibik) Inseln, sondern viele der wichtigsten Industrie- und EU-Staaten Steuervermeidung und Steuerbetrug ermöglichen. Alle Quellen siehe (4).

Von 1. bis 9. November beteiligen sich zivilgesellschaftliche Organisationen weltweit an Aktionstagen, gegen die Steuervermeidung von multinationalen Konzernen zu protestieren. Koordiniert wird dies von der Global Alliance for Tax Justice. http://globaltaxjustice.org/

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(1) Internationale Kritik an Österreichs Blockade bei Steuertransparenz für Konzerne https://www.attac.at/news/detailansicht/datum/2018/09/27/internationale-kritik-an-oesterreichs-blockade-bei-steuertransparenz-fuer-konzerne.html

(2) Hier wurden Fortschritte erzielt. Die EU hat beschlossen, öffentliche Register der tatsächlichen "wirtschaftlichen" Eigentümer von Unternehmen in der EU einzuführen – jedoch nur für Personen mit „berechtigtem Interesse“. Es gibt immer noch viele Länder auf der ganzen Welt, die Steuerbetrügern die Möglichkeit geben, ihr Geld üner anonyme Konstruktionen zu verstecken.
 
 (3) Ein automatischer Informationsaustausch zwischen den Steuerbehörden wurde zwar grundsätzlich ab 2017/18 vereinbart. Doch die Staaten dürfen sich dabei aussuchen, ob und mit wem sie Daten austauschen - ohne dass sie politischen Druck oder wirtschaftliche Sanktionen zu befürchten haben. Nicht mit dabei sind z.B. die USA. Zudem existieren zahlreiche große Schlupflöcher im System. Und ausgerechnet den ärmsten Ländern wird die Teilnahme am Austausch erschwert. Sie haben oft nicht die Kapazitäten selbst automatisch Daten liefern zu können und dürfen daher auch keine erhalten.

(4) Siehe Alex Cobham and Petr Jansky (2017), „Global distribution of revenue loss from tax avoidance”, UNU‐WIDER, Working Paper 2017/55, March 2017, https://www.wider.unu.edu/sites/default/files/wp2017‐55.pdf

UNCTAD. (2015). ‘World Investment Report 2015’, http://unctad.org/en/pages/PublicationWebflyer.aspx?publicationid=1245

The Price of Offshore: http://www.taxjustice.net/cms/upload/pdf/The_Price_of_Offshore_Revisited_Presser_120722.pdf

Schattenfinanzindex 2018: https://www.attac.at/news/detailansicht/datum/2018/01/30/ranking-schweiz-und-usa-wichtigste-schattenfinanz-zentren.html

Categories: Attac Planet

Ein Jahr Paradise-Papers: Übersicht über internationale Steuerskandale 


Fri, 26/10/2018 - 08:01
Die Paradise-Papers im November 2017 waren (bis zum bekanntwerden der Cum-Ex-Skandals diese Woche) der jüngste in einer Reihe von internationalen Steuerskandalen seit 2014. Nach Jahren der politischen Ignoranz haben diese Skandale die politische Debatte zum Thema Steuerbetrug und Steuervermeidung erst so richtig in Fahrt gebracht – bisher jedoch noch ohne effektive Fortschritte.

„All die Steuerskandale wurden nicht von Regierungen sondern von unabhängigen Medien und mutigen Whistleblowern aufgedeckt. Das beweist, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass Regierungen und ihre Steuerverwaltungen für eine gerechte Besteuerung von Konzernen sorgen – im Gegenteil: Teilweise agieren die Steuerverwaltungen als eifrige Komplizen, wie die Beispiele Luxemburg und Irland zeigen. Der politische Kampf gegen Steuerbetrug und Steuervermeidung kann daher nur durch mehr Transparenz und öffentlichen Druck vorangebracht werden kann“, erklärt David Walch von Attac Österreich.

November 2017: Paradise Papers
aufgedeckt von: Internationales Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ)
13,4 Millionen durchgesickerten Dateien von Offshore-Dienstleistern und Unternehmensregistern. Die meisten Akten stammten von der Anwaltskanzlei Appleby (insbesondere von ihrem Büro auf den Bermudas). Die Akten enthielten aber auch Dokumente der Treuhandgesellschaft Asiaciti und von 19 verschiedenen Unternehmensregistern aus Geheimhaltungsbehörden auf der ganzen Welt. Unter anderem enthüllten die Paradise Papers die Steuerplanungsstrategien von mehr als 100 multinationalen Unternehmen, darunter Nike und Apple, sowie Offshore-Aktivitäten von mehr als 120 Politikern und Staatsoberhäuptern.

März 2017: Der Laundromat-Skandal
aufgedeckt von: Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP)
Zwischen 2011 und 2014 wurden über 20 Milliarden US-Dollar aus Russland von mehr als 5000 Unternehmen gewaschen, darunter viele anonymen Briefkastenfirmen in Großbritannien. Das Geld landete bei über 700 verschiedenen Banken in 96 Ländern, darunter mehrere EU-Länder. 5,4 Millionen Dollar flossen nach Österreich.

April 2016: Panama Papers
aufgedeckt von: Internationales Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ)
Die Panama Papers basierten auf 11 Millionen durchgesickerten Dokumenten der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama. Die Dokumente enthüllten ein globales Netzwerk von Briefkastenfirmen und versteckten Bankkonten, die für Steuerhinterziehung, Bestechung, Waffenhandel, Finanzbetrug und Drogenhandel eingesetzt wurden. Das Leak zeigte, dass einige der größten Banken der Welt an der Errichtung geheimer Offshore-Strukturen beteiligt waren. Unter den Kunden darunter befand sich eine große Zahl von Prominenten, darunter 140 Politiker aus 50 Ländern.

September 2016: Bahamas Leaks
aufgedeckt von: Internationales Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ)
Millionen von Akten einer Bank in Jersey und dem Handelsregister der Bahamas enthüllten, wie mehr als 175.000 bahamaische Briefkastenfirmen und geheime Bankkonten von Politikern und Reichen benutzt wurden, um ihr Vermögen in Steuersümpfen zu verstecken. Gut bezahlte Steuerberater und einige der größten Banken der Welt halfen beim Aufbau dieser zweifelhaften Strukturen.

Februar 2015: Swiss Leaks
aufgedeckt von: Internationales Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ)
Ein Leak der Bank HSBC in der Schweiz deckte geheime Bankkonten mit Vermögenswerten von mehr als 100 Milliarden US-Dollar auf, mit Verbindungen zu fast alles Staaten der Welt. Zu den Kunden gehörten Personen, die mit Waffenhandel, Bestechung, Blutdiamanten reich wurden und die mit aktuellen und ehemaligen Politikern auf der ganzen Welt in Verbindung stehen. Das Leak zeigte, dass die Bank ihren Kunden immer wieder versicherte, den Steuerverwaltungen keine Informationen zur Verfügung zu stellen, selbst in Fällen, in denen Beweise dafür vorliegen, dass die Vermögenswerte mit Steuerhinterziehung in Verbindung stehen.

November 2014: Luxemburg Leaks
aufgedeckt von: Internationales Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ)
Der so genannte LuxLeaks-Skandal enthüllte Hunderte von geheimen Steuerabkommen (auch bekannt als "sweetheart deals") zwischen multinationalen Konzernen und Luxemburg. Diese Geschäfte, die oft von PriceWaterhouseCoopers (PwC) vermittelt wurden, ermöglichten es vielen der Unternehmen, ihre Steuerzahlungen auf ein sehr niedriges Niveau zu senken - in einigen Fällen auf weniger als 1 Prozent. Zu den an dem Skandal beteiligten Unternehmen gehörten Pepsi, IKEA, AIG, Deutsche Bank - insgesamt über 300 weitere Unternehmen.

Mit dem LuxLeaks-Skandal wurde der mangelhafte Schutz von Whistleblowern offensichtlich. Die beiden Informanten, Antoine Deltour und Raphaël Halet, wurden beide in Luxemburg vor Gericht gestellt. Der Staatsanwalt hatte zunächst 10 Jahre Gefängnis für Antoine Deltour gefordert. Im Jahr 2017 wurde Antoine Deltour zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt und erhielt eine Bewährungsstrafe von 6 Monaten. Antoine Deltour legte gegen das Urteil Berufung ein, und wurde im Mai 2018 endgültig freigesprochen. Raphaël Halet wurde zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt und legte auch Berufung gegen das Urteil ein. Seine Berufung wurde abgelehnt, sein Rechtsstreit ist noch nicht beendet.
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Paukenschlag in Amerika: NAFTA 2.0 ohne Schiedsgerichte

Fri, 19/10/2018 - 10:30
Quelle: Lobbycontrol.de, Max Bank Die USA und Kanada streichen die umstrittenen Konzernklagerechte aus NAFTA. Begründung: Die Rechte von Umwelt, und Verbrauchern seien wichtiger als die von Konzernen. Das globale Schiedsgerichtssystem gerät dadurch immer mehr unter Druck. Was bedeutet das für CETA und JEFTA? Nach zähen Verhandlungen haben sich die USA und Kanada Ende September auf eine Neuauflage des gemeinsamen Freihandelsabkommens Nafta mit Mexiko geeinigt. Zwei Punkte springen ins Auge: Erstens enthält es einen weitreichenden Mechanismus, über die Konzerne Regeln beeinflussen können – die sogenannte regulatorische Kooperation. Das ist besorgniserregend, weil dies den globalen Trend hin zu mehr Konzerneinfluss auf Politik über regulatorische Kooperation stärkt. Dazu mehr in naher Zukunft. Der zweite Punkt ist bahnbrechend: Kanada und die USA verzichten auf die umstrittenen einseitigen Konzernklagerechte. Das ist erfreulich und könnte weitreichende Konsequenzen für das System der Investor-Staats-Klageverfahren (ISDS) weltweit haben. Das Wunder NAFTA 2.0: Keine Schiedsgerichte mehr Die Begründung für den Verzicht auf Schiedsgerichte spricht Bände: Der US-Handelsbeauftragte Lighthizer hatte bereits im März 2018 darauf verwiesen, dass die Androhung von Schiedsgerichtsklagen in der Vergangenheit Gesetze im Interesse aller verhindert und die nationale Souveränität der Vereinigten Staaten untergraben habe. Ähnlich äußerte sich nun auch die kanadische Handelsministerin Freeland in ihrer Pressekonferenz nach Abschluss der Verhandlungen: ISDS hätte die kanadischen Steuerzahler mehr als 300 Mio. Dollar gekostet und habe die Rechte von Unternehmen über die Souveränität von Regierungen gestellt. „Indem wir ISDS wegräumen, haben wir das Recht der kanadischen Regierung gestärkt, im Interesse der Allgemeinheit zu regulieren und zum Beispiel die öffentliche Gesundheit und die Umwelt zu schützen.“ Warum bleibt ISDS dann in CETA bestehen? Beim EU-Kanada-Handelsabkommen CETA hatte die kanadische Handelsministerin noch für die umstrittenen Schiedsgerichte argumentiert. Nun übernimmt sie die Argumente unserer kanadischen zivilgesellschaftlichen Partner vom Canadian Centre for Policy Alternatives (CCPA). Wir sagen: Wenn Kanada mit den USA auf Schiedsgerichte verzichtet, dann sollten sie auf dieses umstrittene Instrument auch bei CETA verzichten. Hinzu kommt: Viele US-Unternehmen haben einen Sitz in Kanada und bekommen über CETA Klagerechte gegenüber der EU und ihren Mitgliedstaaten. US-Unternehmen hätten also Klagerechte, während deutsche Unternehmen nicht die USA verklagen könnten. Noch sind die umstrittenen Schiedsgerichte im Rahmen von CETA noch nicht verabschiedet. Der Bundestag könnte dem Abkommen nicht zustimmen und damit ISDS verhindern. Das globale Schiedsgerichtssystem in der Krise Die Zeichen mehren sich: Das System globaler Schiedsgerichtsbarkeit ist in der größten Krise seit seiner Einführung. Wir stehen am Anfang vom Ende einseitiger Konzernklagerechte. So hat der Europäische Gerichtshof erst kürzlich in seinem Achmea Urteil (Link zu Blogbeitrag) Abkommen über Konzernklagerechte zwischen EU Staaten als rechtswidrig erklärt. Und die EU Kommission hat auf die Kritik an Schiedsgerichten reagiert und eine Reformagenda angeschoben. Fortsetzung folgt.
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Warum die EU nicht zu retten und ein Austritt keine Lösung ist

Fri, 19/10/2018 - 08:46
Die EU sei im Korsett neoliberaler Verträge gefangen, die systematisch Konzerninteressen Vorrang vor sozialen Standards, Menschenrechten und Umweltschutz geben, so Lisa Mittendrein. Eine  sozial-ökologische Reform der Union sei faktisch unmöglich. Auf der anderen Seite biete ein Ausstieg aus EU oder Euro in den meisten Fällen keine Lösung. Um diesem Dilemma zu entrinnen, brauche es strategischen Ungehorsam, um öffentliche Interessen durchzusetzen, auch wenn sie mit EU-Recht in Konflikt geraten. http://www.kontext-tv.de/de/sendungen/warum-die-eu-nicht-zu-retten-und-ein-austritt-keine-loesung-ist
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Bericht: EU kämpft Seite an Seite mit Konzernen gegen UN-Abkommen für Menschenrechte

Tue, 16/10/2018 - 08:38
Diese Woche (15. bis 19. Oktober 2018) findet in Genf die 4. Verhandlungsrunde über ein verbindliches UN-Abkommen zur Verantwortung von Konzernen statt. (1) Damit sollen internationale Konzerne für Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden zur Verantwortung gezogen werden können – auch am Muttersitz des Konzerns. Ein solches Abkommen bietet eine historische Chance. "Menschen brauchen Instrumente, um sich wirksam gegen Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörungen von Konzernen zur Wehr setzen zu können. Derzeit gibt es keine verbindlichen Abkommen, die dies garantieren, bestehende sind nur freiwillig und unverbindlich“, erklärt Alexandra Strickner von Attac Österreich. Das Abkommen wird weltweit von über 1100 NGOs und Bewegungen unterstützt. Mehr als 100 davon setzen sich aktuell vor Ort in Genf dafür ein.

Österreich: Leere Phrasen für Menschenrechte im UN-Menschenrechtsrat

Attac kritisiert, dass sich Österreich in Genf erneut nicht in die Verhandlungen einbringen will. „Nach der Wahl in den UN-Menschenrechtsrat am 12. Oktober hatte das österreichische Außenministerium noch verkündet, dass die ‚Förderung und der Schutz der Menschenrechte oberste Priorität' habe. Schon wenig Tage später zeigt sich, dass dies nur leere Phrasen waren“, kritisiert Strickner. Auch im Rahmen der EU-Präsidentschaft hat Österreich jede Initiative für eine konstruktive gemeinsame EU-Position vermissen lassen. Mit Ausnahme Frankreichs werden sich die EU-Staaten in Genf nicht in die Verhandlungen einbringen, kritisiert Attac.

Neuer Bericht: EU kämpft Seite an Seite mit Konzernen gegen UN-Abkommen

Ein neuer Bericht (2) internationaler NGOs zeigt, wie die EU die UN-Verhandlungen in den vergangenen vier Jahren behindert, delegitimiert und andere Staaten unter Druck gesetzt hat. Sie verwendet dabei - teils wortwörtlich - die gleichen Argumente wie Konzernlobbys wie die Internationale Handelskammer oder die Internationale Arbeitgeberorganisation. Die EU ist zudem der Ansicht, dass freiwillige Mechanismen ausreichend sind und fordert die Beteiligung von Konzernen an den Verhandlungen.

EU will Einbahnstraße für Konzerninteressen

Gleichzeitig kann es der EU und der österreichischen Regierung nicht schnell genug gehen, wenn es um die Umsetzung von Sonderklagerechten für Konzerne geht. Das zeigen die jüngste EU-Einigung für ein „Investitionsschutzabkommen“ mit Singapur und der von der EU angestrebte multilaterale Handelsgerichtshof für Konzernklagen (MIC). „Im Gegensatz zum UN-Vorschlag will die EU eine Einbahnstraße für die Durchsetzung von Konzerninteressen. EU-Regierungen und EU-Kommission untergraben damit die UN-Verhandlungen und zeigen, dass für sie Profitinteressen Vorrang gegenüber Menschenrechten und Umweltschutz haben. Es ist höchste Zeit, endlich die Straffreiheit internationaler Konzerne zu beenden und ein starkes UN-Abkommen zur Wahrung der Menschenrechte umzusetzen“, fordert Strickner.
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(1) Der UN-Menschenrechtsrat hat im Juni 2014 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ein verbindliches Abkommen zur Regulierung transnationaler Konzerne (Treaty on transnational corporations and other business enterprises, kurz: TNC-Treaty) erarbeiten soll. Ein erster Vertragsentwurf liegt seit Juli 2018 vor: http://bit.ly/2ElLqQN. Mehr Infos im Papier der österreichischen Treaty-Allianz: http://bit.ly/2ylqqEk.
Live-Berichte von den Verhandlungen: www.business-humanrights.org/de/v%C3%B6lkerrechtliches-abkommen

(2) Bericht von Amis de la Terre/Friends of the Earth France, CETIM, Observatoire des multinationales und des Transnational Institute (TNI): The EU and the corporate impunity nexus - Building the UN binding treaty on transnational corporations and human rights. https://multinationales.org/IMG/pdf/eu_corporate_impunity_nexus.pdf

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Erneuter Dirndl-Protest gegen Kurz - BILD

Sat, 13/10/2018 - 10:53
Nach dem erfolgreichen Dirndl-Protest gegen den 12-Stunden Tag am Schneeberg folgte heute die Fortsetzung: Anlässlich seiner Rede im Uniqua-Tower lüftete eine Attac-Aktivistin im Foyer unmittelbar bei Bundeskanzler Kurz erneut ihre Dirndl-Schürze um gegen eine Politik im Interesse von Konzernen zu protestieren. Die Aktivistin wurde dabei sofort unsanft entfernt und zu Boden gerempelt. BILDER unter: http://bit.ly/kurz-konzerne

„Sebastian Kurz feiert sich selbst in einer langen Rede. Tatsächlich lässt sich seine Politik mit einem Wort zusammenfassen: Konzerne. Ihre Wahlkampfspenden zahlt Kurz mit reichlich Steuergeld und Einschnitten bei unseren sozialen Rechten zurück. Der 12-Stunden-Tag war nur der Beginn dieser Veränderung“, erklärt Julianna Fehlinger von Attac Österreich, die - wie schon am Schneeberg - ebenfalls vor Ort war. "Der Ort der Rede – der Uniqa-Tower - ist Programm. Im Interesse der Versicherungskonzerne wird bei der Unfallversicherung gekürzt und die Krankenkassen geschwächt."

Steuergeschenke für Konzerne und Investoren

Kurz will nicht nur die Steuern für Unternehmen im Ausmaß von mehreren Milliarden weiter senken und so das internationale Steuerdumping anheizen. Gleichzeitig blockiert er mehr Transparenz bei Konzernsteuern in der EU. 500 Millionen Euro werden sich Unternehmen zusätzlich durch die Kürzungen bei der AUVA ersparen. Strafen für Sozialbetrug durch Unternehmen sind in Zukunft mit 855 Euro statt bisher 50.000 Euro gedeckelt. Zusätzlich soll die Grunderwerbsteuer für Investoren soll abgeschafft werden.

Kürzungen bei Arbeitslosen, Mindestsicherung, Bildung, Integration

Währen vom Familienbonus vor allem GutverdienerInnen profitieren will Kurz die Notstandshilfe abzuschaffen, die Mindestsicherung und die Familienbeihilfe für im Ausland leben Kinder kürzen und so Menschen weiter in Armut drängen.

Zusätzlich kürzt Kurz bei Arbeitsmarktprojekten und beim Arbeitsmarktservice. Die Mittel für Integration sollen gestutzt, jene für den Ausbau der Ganztagsbetreuung halbiert werden. Weitere Kürzungen gibt es für Familienberatungsstellen, Frauenorganisationen sowie Vereine, die sich um die Rechte illegaler ArbeitnehmerInnen kümmern.
Categories: Attac Planet

Liebe ProeuropäerInnen, wir müssen reden

Wed, 10/10/2018 - 10:54
In Wien erhältlich bei der/dem Augustin-VerkäuferIn Ihres Vertrauens. Aus Österreich bestellbar gegen freie Spende unter verwaltung@attac.at

Leseprobe: Proeuropäisch!

Sie sind doch proeuropäisch, oder? Also fortschrittlich, aufgeklärt, gegen Nationalismus. Als ProeuropärIn ist für Sie auch naheliegend, ein grundsätzliches „Bekenntnis zur EU“ abzulegen. Denn die EU ist heute unausgesprochen das Synonym für den ganzen Kontinent. Klar, sagen Sie seit vielen Jahren, die EU hat ihre Fehler. Sie müsste demokratischer, sozialer und auch ökologischer werden. Aber als politisches Projekt ist sie eben alternativlos. Schließlich ist sie ein Friedensprojekt, und eine andere Form zwischenstaatlicher Zusammenarbeit kaum vorstellbar. Wir brauchen also „mehr Europa“, heißt es. Und wer „mehr Europa“ sagt, meint damit meist eine „handlungsfähige“ EU. Handlungsfähig? Wofür? Wozu?    

Liebe ProeuropäerInnen, wir müssen reden.

Denn der allerorten inszenierte Gegensatz zwischen pro- und antieuropäischen Kräften ist ein geschicktes Manöver, um von inhaltlichen Fragen abzulenken. Was soll „proeuropäisch“ eigentlich bedeuten? Viele, die die EU „handlungsfähiger“ machen wollen, meinen damit mehr „Strukturreformen“ à la Griechenland, mehr Handelsabkommen à la TTIP und CETA, mehr Militär, Aufrüstung oder Abschottung. All das ist nämlich mit einer „proeuropäischen“ Haltung wunderbar vereinbar. Aber ist das jenes Europa, das SIE wollen?

Pro- und antieuropäisch sind daher keine sinnvollen politische Kategorien. Es ist Zeit, diese falsche Debatte zu überwinden und die richtigen Fragen zu stellen: In wessen Interesse wird Politik gemacht? Wie wird Reichtum verteilt? Und wer ist eigentlich mit dem Slogan „Ein Europa, das schützt“ gemeint, den die schwarz-blaue Regierung für ihre EU-Präsidentschaft auserkoren hat?

Ein gutes Leben für alle

Es steht außer Zweifel, dass internationale Kooperation und Solidarität unerlässlich sind, um Wirtschaft und Gesellschaft so umzugestalten, dass ein gutes Leben für alle möglich wird. Aber kann die EU zu jenem „sozialen und demokratischen Europa“ zu werden, das uns seit Jahrzehnten als politisches Idealbild präsentiert wird? Ist sie überhaupt dafür konstruiert, dieses Versprechen einzulösen? Wir glauben nicht.

Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass die EU in ihrem Kern ein Raum für verschärfte Konkurrenz ist – sowohl zwischen den EU-Staaten als auch auf globaler Ebene. Die Politik des „freien Wettbewerbs“, der Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung ist in den EU-Verträgen festgeschrieben. Eine Änderung dieser Verträge ist illusorisch, denn dafür wäre die Zustimmung ALLER (zunehmend neoliberalen) EU-Regierungen nötig.

Es ist daher an der Zeit viele unserer – liebgewonnenen und grundlegend positiven – Bilder über das, was die EU in ihrem Kern ausmacht, zu entzaubern und einen neuen Umgang mit ihr zu finden. Die Beilage soll dafür Denkanstöße liefern.

Das Buch zur Beilage: Entzauberte Union. Warum die EU nicht zu retten und ein Austritt keine Lösung ist

"Präzise geschrieben. Unbequem nahe an der Wahrheit."
James K. Galbraith, US-Ökonom, Prof. an der University of Texas, Austin.

"Attac liefert die Referenz für kritische EU-Debatten in Österreich."
Valentin Wedl, Leiter der Abteilung EU und Internationales der Arbeiterkammer Wien

"Eine der wichtigsten deutschsprachigen politisch-wissenschaftlichen Publikationen zur EU der letzten Jahre."
Ulrich Brand, Prof. für Politikwissenschaft an der Universität Wien

Download: Leseprobe; Cover

Kontakt für Rezensionsexemplare: David Walch, presse@attac.at

Entzauberte Union
Warum die EU nicht zu retten und ein Austritt keine Lösung ist
Herausgegeben von Attac / 3. Auflage mit einem Vorwort von Ulrich Brand

Mit Beiträgen von: Fabiane Baxewanos, Joachim Becker, Julia Eder, Stefan Ederer, Julianna Fehlinger, Manuel Grebenjak, Ralph Guth, Johannes Jäger, Elisabeth Klatzer, Martin Konecny, Markus Koza, Christine Mayrhuber, Lisa Mittendrein, Andreas Novy, Lukas Oberndorfer, James O’Nions, Thomas Roithner, Bue Rübner, Christa Schlager, Etienne Schneider, Valentin Schwarz, Alexandra Strickner, Simon Theurl, Michael Torner, Peter Wahl, David Walch, Carla Weinzierl, Manuela Zechner



Mandelbaum Verlag
edition Kritik & Utopie
250 Seiten, EUR 15,00
ISBN: 978-3-85476-669-8
Oktober 2017

Kontakt Attac Österreich:
David Walch, Pressesprecher
presse@attac.at
Tel: + 43 1/544 00 10-10; M: + 43 650/544 00 10

Kontakt Mandelbaum Verlag:
Martin Birkner
birkner@mandelbaum.at
Tel: +43/1 535 3477-22
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Regierung will Sonderklagerechte mit Singapur / Attac: Widersprechen dem Rechtsstaat

Wed, 03/10/2018 - 11:18
Der Ministerrat hat heute beschlossen, Verhandlungen über ein eigenes Investitionsschutzabkommen mit Singapur auf EU-Ebene zuzustimmen. Damit würden Konzerne in den jeweiligen Wirtschaftsräumen Sonderklagerechte gegen demokratisch beschlossen Gesetze erhalten. Wirtschaftsministerin Schramböck will damit die „Rechtssicherheit für österreichische Investoren“ erhöhen.

„Die Pläne und Aussagen der Ministerin zeigen, dass sie Rechtsstaatlichkeit ausschließlich durch die Konzernbrille definiert. Denn das Prinzip der Sonderklagerechte widerspricht dem Rechtsstaat und höhlt die Demokratie aus. Ausländische "Investoren" bekommen Rechte, Staaten und Bürger hingegen nicht“, kritisiert Alexandra Strickner von Attac Österreich. Zu diesem Urteil kommt auch die Professorin für internationales Wirtschaftsrecht an der Erasmus Universität Rotterdam, Alessandra Arcuri, in einem aktuellen Artikel (1). Mittels den Sonderklagerechten werden Profitinteressen über gesellschaftliche Interessen gestellt, kritisiert Attac. Attac fordert daher diese Sonderrechte weltweit abzuschaffen.

Der österreichischen Regierung kann es bei der Ausweitung von Konzern-Sonderrechten nicht schnell genug gehen. Gleichzeitig setzt sie im Rahmen der EU-Präsidentschaft keinerlei Initiative für das aktuell verhandelte UN-Abkommen zur Verantwortung von Konzernen, kritisiert Attac. Damit sollen Menschen-, ArbeitnehmerInnen- und Umweltrechte weltweit und verbindlich gegen Konzerne durchsetzbar gemacht werden. (2)

--
(1) Die internationale Investitionsschiedsgerichtsbarkeit beruht auf einer großen Asymmetrie: Einerseits verfügen ausländische Investoren über eine Reihe bedeutender Rechte, insbesondere das Recht, Streitigkeiten vor Schiedsgerichten einzuleiten; andererseits haben Staaten und Bürger des von der Investition betroffenen Aufnahmestaats keine vergleichbaren Rechte. Die Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit stärkt den Rechtsstaat nicht  - die eingebaute Asymmetrie des Systems widerspricht ihm sogar. https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3152808#

(2) Teil der Vorschläge ist es, dass Konzerne in dem Land, wo sie ihren Hauptsitz haben, für Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern zur Rechenschaft gezogen werden können. Dieser Vorschlag wird von rund 700 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus 95 Ländern unterstützt. https://www.attac.at/news/detailansicht/datum/2017/11/02/verpflichtende-regeln-fuer-konzerne-un-verhandlungen-auf-gutem-weg-oesterreich-nicht.html
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Neues Netzwerk zur Reduktion von Flugverkehr: Stay Grounded

Mon, 01/10/2018 - 10:29
  • Über 100 Organisationen unterstützen Aktionsplan mit 13 Schritten
  • Weltweite Aktionen an Flughäfen geplant
  • European Aviation Summit in Wien, 3.-4. Oktober

Die Neugründung des internationalen Netzwerks “Stay Grounded” stellt das ungebremste Wachstum des Flugverkehrs in Frage. Über 100 Organisationen, darunter Friends of the Earth International sowie zwölf Organisationen aus Österreich, präsentieren heute einen Aktionsplan für einen gerechten und ökologischen Umbau des Transportsystems. In den nächsten zwei Wochen sind weltweit Proteste und Aktionen geplant, darunter in Österreich am 3. Oktober.

Die Proteste sollen Bewusstsein schaffen für den geplanten massiven Ausbau des Flugverkehrs”, so Mira Kapfinger aus Wien, Koordinatorin von “Stay Grounded”. Über 1200 Flughäfen sollen neu gebaut oder erweitert werden, darunter in Wien die dritte Piste. Wie häufig es dabei zu Konflikten, Vertreibung und Zerstörung von Biodiversität oder fruchtbaren landwirtschaftlichen Flächen kommt, zeigt eine neue Landkarte der Flughafenkonflikte.

Diesen Oktober trifft die UN-Luftfahrtorganisation wichtige Entscheidungen hinsichtlich Klimaschutzplänen der Luftfahrt. “Es wird leider immer deutlicher, dass die aktuellen Pläne reines Greenwashing der Luftfahrt sind. Anstatt Emissionen zu reduzieren, dürfen sich Fluggesellschaften jetzt von jeglicher Verantwortung freikaufen”, so Heuwieser. Dazu erwerben die Fluglinien günstig Gutschriften zur Emissionkompensation (Offsetting), deren Wirkung Studien zufolge äußerst zweifelhaft ist. Auch Agrartreibstoffe wie Palmöl, die mit massiven Verletzungen von Umweltschutzauflagen und Menschenrechten verbunden sind, sollen zukünftig vermehrt in Flugzeugen verbrannt werden.

In Wien findet von 3. bis 4. Oktober der European Aviation Summit statt. Anlässlich des  Gipfels werden Aktivist*innen ein Zeichen gegen Greenwashing setzen. Stay Grounded fordert statt Scheinlösungen den besseren Ausbau von Nachtzügen, die Einführung einer Kerosinsteuer und einer Mehrwertsteuer auf Tickets sowie den Ausbaustopp von Flughafeninfrastruktur. Das Netzwerk besteht aus Umweltschutzorganisationen, Klimagerechtigkeitsgruppen, Bürgerinitiativen gegen Flughafenausbau, sowie Wissenschafter*innen und Gewerkschaftler*innen.

Flugverkehr ist das klimaschädlichste Transportmittel und der Sektor, dessen Treibhausgase die steilste Wachstumskurve verzeichnet. Trotzdem genießt die Flugindustrie vielzählige Privilegien, so ist Kerosin immer noch nicht besteuert. “Es ist doch grotesk, dass ich zum halben Preis des Bahntickets von Wien nach Berlin fliegen kann, während unter mir schon der Wald brennt”, kritisiert Magdalena Heuwieser von Stay Grounded. “Die Verkehrspolitik in Österreich muss sich endlich mit der Realität der Klimakrise auseinandersetzen und den Flugverkehr schnell und wirksam begrenzen.”

Aus Österreich unterstützen folgende Organisationen das Positionspapier von Stay Grounded: “System Change, not Climate Change!”, GLOBAL 2000, Attac, Dreikönigsaktion, Finance & Trade Watch, ÖBV-Vía Campesina, FIAN, Periskop, Welthaus Innsbruck, Linkswende jetzt, Dachverband der unabhängigen Bürgerinitiativen gegen den Bau der 3. Piste am Flughafen Wien und BürgerInnen für Transparenz, Kostenwahrheit und Nachhaltigkeit in der Luftfahrt.

Fotos der Aktionen: https://www.flickr.com/gp/164860673@N04/EfNB56

Aktuelle Informationen: www.stay-grounded.org, facebook, twitter @staygrounded3

Pressekontakt:

Magdalena Heuwieser (Finance & Trade Watch, Koordination Stay Grounded)
Mail: info@stay-grounded.org
Tel.: 0043/6503773102

 

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Historisch: UN-Menschenrechtsrat will Kleinbauern besser gegen Agrarkonzerne schützen

Fri, 28/09/2018 - 10:42
Wien, Genf 28.9.2018 Der UN-Menschenrechtsrat hat heute eine UN-Erklärung für die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“ verabschiedet. Für zahlreiche österreichische NGOs* ist dies ein historischer Schritt zur Bekämpfung des weltweiten Hungers und gegen die Diskriminierung von Kleinbäuerinnen und –bauern weltweit. Sie kritisieren aber gleichzeitig die Stimmenthaltung der EU-Staaten. Die UN-Erklärung mit 28 Artikeln bündelt eine Vielzahl von Rechten: das Recht auf Land und andere natürliche Ressourcen; auf Saatgut und Biodiversität; auf Souveränität bei Entscheidungen über ihre wirtschaftlichen Ziele und Ernährungsweisen; auf Leben, Freiheit, Unversehrtheit, Arbeit und vieles mehr. Sie muss nun noch von der UN-Generalversammlung angenommen werden.

Wichtiger Etappen-Erfolg: Bäuerliche Rechte stehen vor Anerkennung

„Regierungen gewähren den Interessen von Investoren häufig Vorrang gegenüber grundlegenden Menschenrechten kleinbäuerlicher Gemeinschaften. Mit der heute angenommenen UN-Erklärung werden Kleinbauern und -bäuerinnen und ihre Gemeinschaften besser gegenüber den Interessen der Agrarkonzerne geschützt. Die Deklaration ist ein großer Schritt, um die zunehmende Verdrängung von Kleinbauern und -bäuerinnen zu stoppen, Landflucht zu vermeiden, das Klima zu schützen und Ernährungssouveränität zu erlangen“, so David Jelinek, Obmann der ÖBV- Via Campesina Austria. Die internationale Bauernorganisation La Via Campesina hat Anfang der 2000er Jahre einen politischen Prozess zur Erarbeitung einer UN-Erklärung zur Stärkung der Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, initiiert.

Bisherige Rechte nicht ausreichend

“Bisherige Menschenrechtsinstrumente der internationalen Staatengemeinschaft oder freiwillige Richtlinien reichen nicht aus, um der sich verschärfenden Menschenrechtslage dieser Gruppen entgegenzuwirken. Die nun im Menschenrechtsrat angenommene UN-Deklaration bietet Bauern und Bäuerinnen eine Möglichkeit sich besser gegen Menschenrechtsverletzungen zur Wehr zu setzen“, so Brigitte Reisenberger von FIAN Österreich. “Sie wird die Aufmerksamkeit für bäuerliche Kulturen schärfen, landlosen ArbeiterInnen mehr Gehör verschaffen und hoffentlich die Gesetzgebung in vielen Ländern in ihrem Sinne beeinflussen.“

EU-Staaten lassen Einsatz vermissen - Österreich gefordert

Die EU hat von Beginn an jede Unterstützung für die Erklärung vermissen lassen. Die EU-Staaten haben sich heute der Stimme enthalten, Großbritannien stimmte dagegen.
Österreich hat als EU-Ratsvorsitz die Position der abstimmenden EU-Staaten mitkoordiniert. “Wir fordern die österreichische Bundesregierung dazu auf die Erklärung bei der kommenden UN-Generalversammlung von Oktober bis Dezember 2018 in New York zu unterstützen“, erklärt Julianna Fehlinger von Attac Österreich.

Hintergrund der UN-Erklärung sind die weltweit zunehmenden Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen der ländlichen Bevölkerung. Unter Leitung von Bolivien diskutierten VertreterInnen von Regierungen, ExpertInnen, die RechtsträgerInnen selbst sowie VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Organisationen seit 2012 die 28 Artikel und die Präambel der Erklärung. Die Unterstützung innerhalb des Menschenrechtsrates für die Erklärung ist im Laufe des Verhandlungszeitraumes kontinuierlich gewachsen.

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* In Österreich steht ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen hinter der UN-Deklaration: FIAN Österreich, ÖBV- Via Campesina Austria, Brot für die Welt Österreich, Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz, FAIRTRADE Österreich, Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Attac Österreich, Arche Noah, Katholische Frauenbewegung Österreichs, Welthaus Diözese Graz-Seckau, Sezonieri - Kampagne für die Rechte von Erntehelfer_innen in Österreich, Südwind sowie die Arbeitsgemeinschaft Weltläden

Weitere Informationen:

Aktueller Text der UN-Erklärung

Webseite der Arbeitsgruppe im UN-Menschenrechtsrat zur Erarbeitung der Erklärung

Resolution des Europäischen Parlaments vom 3. Juli 2018 zur Verletzung der Rechte indigener Völker

Studie des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats


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Internationale Kritik an Österreichs Blockade bei Steuertransparenz für Konzerne

Thu, 27/09/2018 - 08:55
Internationale Organisationen kritisieren heute in Wien die Blockade der österreichischen Regierung in Sachen Steuertransparenz für Konzerne in der EU. Gerade im Rahmen der österreichischen Ratspräsidentschaft hätte die Österreich die Chance die im Regierungsprogramm gemachten Versprechungen (1) einzuhalten und voranzubringen. Die den NGOs übermittelten Argumente des Finanzministeriums sind jedenfalls nicht überzeugend.

Licht ins Dunkel internationaler Konzernsteuertricks

Seit vielen Jahren fordern zivilgesellschaftliche Organisationen Licht ins Dunkel der Steuertricks internationaler Konzerne wie Apple, Google und Co zu werfen. Entscheidend dafür sind öffentliche länderweise Konzernberichte („public country by coutry reporting“). Damit müssten Konzerne unter anderem veröffentlichen, wie viel Gewinn sie wo verbuchen und wie viel Steuern sie bezahlen. Ein entsprechender - verbesserungsbedürftiger - Vorschlag der EU-Kommission liegt seit 2016 vor. Doch seit mehr als 2 Jahren gibt es dazu keinen gemeinsamen Standpunkt der EU-Regierungen. Auch bei einem Treffen der zuständigen Minister heute in Brüssel steht das Thema wieder nicht auf der Agenda.

Öffentliche Konzernberichte zeigen bereits Wirkung

Öffentliche Konzernberichte dämmen Steuervermeidung sogar unmittelbar ein. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich der Steuerbeitrag von zu mehr Transparenz verpflichteten Banken erhöht, vor allem dann wenn sie in Steuersümpfen aktiv sind. (2). „Transparenz verändert Machtverhältnisse“, erklärt Markus Meinzer, Steuerexperte des internationalen Tax Justice Networks: „Deshalb wehren sich die größten Konzerne seit 40 Jahren mit allen erdenklichen Mitteln gegen mehr Transparenz. Umso wichtiger ist es, dass sich die Regierungen ihrem Druck nicht beugen.“

Österreich in schlechter Gesellschaft – Zeitfenster schließt sich

Die österreichische EU-Präsidentschaft verweigert bisher jegliche Initiative für öffentliche Konzernberichte. „Sie ist mit ihrer Blockade in schlechter Gesellschaft mit führenden Steuersümpfen wie Luxemburg, Irland, Zypern oder Malta“, kritisiert Olivia Lally von der Brüsseler NGO Eurodad. Für öffentliche Konzernberichte in der EU sprechen sich derzeit die Niederlande, Rumänien, Polen, Dänemark, Belgien und Spanien aus. Lally: „Die Zeit drängt. Das Treffen der EU-WirtschaftsministerInnen im November ist eine der letzten Gelegenheiten für Österreich, die EU-Staaten vor den EU-Wahlen zu einer gemeinsamen Linie für mehr Steuergerechtigkeit in Europa zu drängen.“

Argumente von Finanzminister Löger nicht stichhaltig

In einer Antwort (3) an zahlreiche NGOs liefert Finanzminister Löger Argumente gegen öffentliche Konzernberichte. „Keines dieser Argumente ist stichhaltig“, kritisiert Martina Neuwirth vom VIDC:

A) Drohen Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen?
Nein. Öffentliche Berichtspflichten existieren für Banken und Rohstoffkonzerne in der EU schon seit 2014 - ohne dass sie zu Wettbewerbsnachteilen geführt hätten (4). Sie würden sogar helfen, Wettbewerbsverzerrungen zwischen national tätigen klein- und mittelständischen Unternehmen und multinationalen Konzernen zu verringern. Laut EU-Kommission zahlen rein national tätige Unternehmen 30 Prozent mehr Steuern. Vom Vorschlag der EU-Kommission wären zudem weltweit 90 Prozent der größten Konzerne erfasst, da sie in der EU tätig sind.

B) Ist ein nicht-öffentlicher Austausch von Konzernberichten durch die Steuerbehörden ausreichend?
Nein. Steuerskandale wie LuxLeaks haben gezeigt, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass nationale Regierungen für eine gerechte Besteuerung von Konzernen sorgen. Es waren unabhängige Medien und die Zivilgesellschaft, die diese Skandale aufgedeckt und so Druck für politische Fortschritte erzeugt haben. Mehr Transparenz stärkt auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Steuersystem. Zudem bekämen InvestorInnen einen besseren Einblick in die Steuerstrategien und finanzielle Risiken von Konzernen (5). Auch Entwicklungsländer, die am Austausch der Steuerbehörden nicht teilnehmen, würden profitieren.

C) Drohen G20-Drittstaaten keine Berichte zu übermitteln, wenn sie in der EU veröffentlicht werden?
Es ist völlig unklar, um welche Länder es sich dabei genau handelt. In den USA wird eine Einführung öffentlicher Berichte bereits diskutiert. Auch Indien verweist auf die EU. "Mit dieser Transparenzinitiative hätte die EU eine Vorbildwirkung und würde für künftige internationale Verhandlungen die Maßstäbe verändern. Ihre politische und wirtschaftliche Macht gibt ihr alle Mittel dazu", erklärt Neuwirth.

Fairer Wettbewerb und die Demokratie überleben nur mit mehr Konzerntransparenz

Durch Steuerhinterziehung multinationaler Konzerne verlieren die Staaten weltweit jährlich rund 500 Milliarden Euro (6). „Um in Bildung, Integration, Krankenhäuser oder Wohnungen investieren zu können, müssen multinationale Konzerne ihren gerechten Beitrag leisten. Das würde auch der zunehmenden Ungleichheit entgegenwirken“, erklärt David Walch von Attac Österreich. „Fairer Wettbewerb und die Demokratie überleben nur mit mehr Konzerntransparenz“, sind sich die Organisationen einig.

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(1) Siehe Regierungsprogramm S. 131: „Mehr (Steuer-)Transparenz für multinationale Unternehmen auf Basis der EU-Vorgaben. https://www.oevp.at/download/Regierungsprogramm.pdf

(2) Öffentliche Berichtspflichten existieren für Banken und Rohstoffkonzerne in der EU schon seit 2013. Studie: Does Country-by-Country Reporting Alleviate Corporate Tax Avoidance? Evidence from the European Banking Sector https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3075784

(3) Brief des VIDC, Attac Österreich, AG Globale Verantwortung, KOO, Volkshilfe, Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung und Südwind an das Finanzministerium: http://bit.ly/2xEZYFA
Antwort von Finanzminister Löger: http://bit.ly/2OOejWF
 Lögers Vorgänger als Finanzminister, Hans-Jörg Schelling behauptete sogar, öffentliche Konzernberichte wären ein 'Bruch völkerrechtlicher Verpflichtungen'. Der Hinweis auf Vertraulichkeit in den OECD-Vorgaben ist jedoch völlig verfehlt, da die EU die OECD-Pläne ergänzen will. Vor allem will die Kommission nicht die Staaten sondern die Konzerne selbst zur Veröffentlichung verpflichten.

(4) Studie von Transparency International: Do corporate claims on public disclosure stack up? http://transparency.eu/resource/do-corporate-claims-on-public-disclosure-stack-up/
Selbst die Wirtschaftsprüfungskanzlei PriceWaterhouseCoopers kam im Auftrag der EU-Kommission zum Schluss, dass kaum negative, sondern eher positive wirtschaftliche Effekte zu erwarten sind: „From the econometric analysis we concluded that Article 89 was unlikely to have a significant negative economic impact, and could have a small positive economic impact.“ http://bit.ly/1rGoyAo

(5) Öffentliche Konzernberichte sind daher bereits Bedingung für Investitionen des norwegischen Investitionsfonds.

(6) Siehe Alex Cobham and Petr Jansky (2017), „Global distribution of revenue loss from tax avoidance”, UNU‐WIDER, Working Paper 2017/55, March 2017, https://www.wider.unu.edu/sites/default/files/wp2017‐55.pdf
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EU-Treffen: AgrarministerInen schwächen Bauern und Bäuerinnen / Protestaktion "Wir haben es satt!" - BILD

Tue, 25/09/2018 - 08:21
Schloss Hof, 25. September 2018. Anlässlich des heutigen Treffens der EU-AgrarministerInnen in Schloss Hof kritisiert Attac Österreich gemeinsam mit der Plattform „Wir haben es satt!“ die desaströsen Auswirkungen der europäischen Agrarpolitik (GAP). „Eine Agrarpolitik, die „globale Wettbewerbsfähigkeit“ ins Zentrum stellt, schwächt die europäischen Bauern und Bäuerinnen im ihrem Existenzkampf gegen die Macht der Agrarmultis und der exportorientierten Lebensmittelindustrie. Die direkte Folge davon sind Höfe- und Artensterben, immer größere Agrarfabriken, schlechte Arbeitsbedingungen, ungesunde Lebensmittel und eine Verschärfung der Klimakrise“, kritisiert Carla Weinzierl von Attac Österreich.

Merscosur-Abkommen: Musterbeispiel für Dumping bei Preisen und Lebensmittelstandards

Zahlreiche der rund 30 geplanten Handelsabkommen der EU setzen die kleinbäuerliche Landwirtschaft EU- und weltweit unter Druck. Musterbeispiel für das Dumping bei Preisen und Lebensmittelstandards ist das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten: Es wird die hohe Abhängigkeit der EU von agrarindustriellen und genmanipulierten Sojaimporten verschärfen und dabei dem Agrarchemieriesen Monsanto in die Hände spielen. In Argentinien entfallen nahezu 100 Prozent der Sojaanbaufläche auf genmanipulierte Sorten, in Brasilien rund 96 Prozent. Die Mercosur-Länder sind schon jetzt für rund 60 Prozent der EU-Sojabohnenimporte und 90 Prozent der EU-Sojaschrotimporte verantwortlich. Brasilien ist gerade dabei die umwelt-, gesundheits- und arbeitsrechtlichen Standards für Pestizide zu verwässern. 30 der in Brasilien im Kaffeeanbau zugelassenen Pestizide sind in der EU verboten. Attac fordert die AgrarministerInnen auf, sich klar gegen Mercosur und ähnliche neoliberale Abkommen mit Drittstaaten zu stellen, die vorrangig die Profitinteressen der exportorientieren Agrarindustrie bedienen.

Attac: Direktzahlungen deckeln und kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaft fördern

Die MinisterInnen müssten zudem endlich erkennen, dass die Direktzahlungen pro Fläche vorwiegend niedrige Erzeugerpreise für die Agrarindustrie ermöglichen anstatt kleinbäuerliche Betriebe zu erhalten, kritisiert Attac. Bei den KonsumentInnen kommt dieses Steuergeld oft nicht an. Eine konsequente Deckelung dieser Direktzahlungen oder eine völlige Umgestaltung dieses Fördersystems würde verhindern, dass bei ökologischen Programmen und in der ländlichen Entwicklung gekürzt werden muss.

Heute Protest von „Wir haben es satt!“: Demokratische Lebensmittelpolitik jetzt! - BILD

Attac wird heute zusammen mit der Plattform „Wir haben es satt!“ und mit internationalen bäuerlichen Organisationen eine Aktion (8:30) und eine Pressekonferenz (Start 9:45) vor dem Schloss Hof (NÖ) organisieren. Fotos im Laufe des Vormittags: https://www.flickr.com/photos/oebv-via_campesina_austria/

Dabei präsentiert die Plattform ein gemeinsames Papier, in dem die Grundzüge für eine Demokratische Lebensmittelpolitik als Kompass dieser Neuausrichtung: „Wir brauchen eine Demokratische Lebensmittelpolitik statt einer Agrarpolitik für Großgrundbesitzer, den Handel und die Agrarindustrie. Derzeit werden die wichtigsten Entscheidungen einigen wenigen Akteuren überlassen. Das verschärft die Krisen des Agrarsystems - bei Klima, Biodiversität, Höfesterben, Umweltverschmutzung, Hunger, Mangelernährung und den Weltmärkten - immer weiter. Eine demokratische Lebensmittelpolitik muss auf die Bauern und Bäuerinnen, LandarbeiterInnen, Umwelt, Gesundheit, Menschenrechte und unsere Lebensgrundlagen (Land, Wasser, Saatgut) ausgerichtet sein. All diese Bereiche sind  direkt von der Art betroffen, wie unsere Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert werden. Deshalb geht es um die Demokratische Gestaltung unseres Lebensmittelsystems. Die Demokratische Lebensmittelpolitik ermöglicht Ernährungssouveränität. Wirkliche Lösungen für die Herausforderungen und gesellschaftlich wünschenswerte Ziele können nur mit einer radikalen sozial-ökologischen Wende erreicht werden.“

"Wir haben es satt!" Plattform sind: Attac, ÖBV-Via Campesina Austria, IG-Milch, FIAN Österreich, Südwind, Welthaus Graz-Seckau, GLOBAL 2000, Greenpeace, Grüne Bauern und Bäuerinnen.
https://wirhabenessattaustria.wordpress.com/
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Studie „Gekaperte Gesetzgebung“: Der politische Einfluss der Konzerne bedroht das Gemeinwohl in Europa

Mon, 24/09/2018 - 08:40
Der überbordende Einfluss von Konzernen auf politische Prozesse und die Gesetzgebung in der EU und Europa ist in vielen Fällen zum Normalzustand geworden und bedroht das Gemeinwohl und die Demokratie. Das Ergebnis sind Gesetze, die öffentliche Güter wie saubere Luft, sauberes Wasser, erneuerbare Energien, heimische und nachhaltige Landwirtschaft sowie soziale Sicherheit und Arbeitnehmerrechte in Gefahr bringen. Davor warnt der Bericht „Gekaperte Gesetzgebung“ (Corporate Capture), der heute von ALTER-EU (Allianz für Lobbying Transparenz und Ethik Regeln in der EU) veröffentlicht wird. ALTER EU ist eine Koalition von über 200 öffentlichen Interessengruppen und Gewerkschaften aus ganz Europa, darunter auch Attac Österreich.

Die immense Macht und der überbordende politische Einfluss von Konzernen hat viele Gesichter. Lobbying, häufige Seitenwechsel zwischen Wirtschaft und Politik, der strategische Einsatz von "Expertise", der privilegierte und oftmals intransparente Zugang zu PolitikerInnen oder Drohungen, Standorte in Länder mit schwächerer Regulierung zu verlagern – all diese Vorgänge führen dazu, dass politische EntscheidungsträgerInnen die Profitinteressen von Konzernen über öffentliche Interessen stellen. Diese Vorgänge sind oftmals nicht verboten, jedoch ethisch fragwürdig und untergraben die Demokratie. Die EU-Politik ist dabei auch aufgrund geringerer öffentlicher Kontrolle besonders anfällig für eine „gekaperte Gesetzgebung“.

Der Bericht enthält acht Fallstudien zu den Bereichen Banken, Handelspolitik, Gas-Industrie, Steuerpolitik, Pharma-Industrie, Datenschutz, Rüstungsindustrie und Automobilindustrie aus der EU und den Mitgliedstaaten. In all diesen Fällen war der politische Einfluss der Konzerne so groß, dass man von gekaperter Gesetzgebung sprechen muss. Beispiele dafür sind: 

● Die Finanzpolitik (EU-Ebene): der Bankensektor hat es weitgehend geschafft, strengere Regulierungen zu verhindern, obwohl er für eine gigantische Finanzkrise mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen verantwortlich ist. So sind weiterhin Megafusionen von Banken erlaubt und das „Too-big-to-fail“- Problem wurde auf die lange Bank geschoben.

● Die Sicherheitspolitik (EU-Ebene): die Rüstungsindustrie legt zunehmend die Agenda und Ziele der Verteidigungsprogramme der EU fest. Die fortschreitende Militarisierung der EU gewährleistet die öffentliche Finanzierung ihres tödlichen Geschäfts, mit dem Argument der nationalen Sicherheit geschehen die Prozesse häufig verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit.

● Die Emissionspolitik: Nach dem Diesel-Abgasskandal hat die deutsche Automobilindustrie es geschafft, beinahe ohne politische Konsequenzen aus dem größten Betrug ihrer Geschichte hervorzugehen. Die deutsche Bundesregierung hat nicht nur auf nationaler Ebene dafür gesorgt, dass die Verbraucher nicht entschädigt werden – sie hat auch auf EU-Ebene regulatorische Folgen verhindert.

● Die Unternehmensbesteuerung (Niederlande): Shell und Unilever haben die Pläne zur Besteuerung von Dividenden in den Niederlanden erfolgreich torpediert.

ALTER- EU fordert daher:

● Politische Beteiligungsverfahren müssen geöffnet und demokratisiert werden.
● Effektive und unabhängig kontrollierte Regeln für ethisches Verhalten und Interessenkonflikte sowie Transparenz über finanzielle Interessen, Nebenjobs, Seitenwechsel, die Annahme von Geschenken und Einladungen. 
● Ein rechtsverbindliches und transparentes Lobbyingregister auf nationaler und EU-Ebene.
● Informationsfreiheit um politische Entscheidungsprozesse im Detail und zeitnah nachzuvollziehen und zu beurteilen zu können.
● Eine klare Trennung zwischen Regulierern und Regulierten wenn Interessen der Wirtschaft und der Allgemeinheit unvereinbar sind. (Beispiel Raucherschutz).
● Obergrenzen und volle Transparenz bei Parteienfinanzierung.

Alexandra Strickner von Attac Österreich erklärt: „Ein Beispiel für den gefährlichen Einfluss der Konzerne ist das vehemente Eintreten der politischen Eliten für Handelsabkommen wie TTIP und CETA. Diese Abkommen schränken nicht nur politische Handlungsspielräume ein. Sie geben Konzernen mittels einer exklusiven Paralleljustiz die Macht, ihre Profitinteressen über demokratische Entscheidungen zu stellen. Wenn wir den Einfluss von Konzernen reduzieren wollen, müssen wir diese Abkommen verhindern und verpflichtende Regeln für Konzerne zur Einhaltung von Menschenrechten einführen.“

Claudio Cesarano, Koordinator von ALTER-EU erklärt: "Dieselgate und die fehlende Regulierung der Finanzindustrie nach dem Crash haben deutlich gezeigt, dass der Einfluss der Konzerne über einfaches Lobbying hinausgeht. Ihre enorme Macht ist eine leider allzu häufige Bedrohung für das öffentliche Interesse, die soziale Sicherheit, die Umwelt und die öffentliche Gesundheit."

Nina Katzemich, von der ALTER-EU-Mitgliedsorganisation Lobbycontrol, fügte hinzu: "Die Wahlen zum EU-Parlament sind ein guter Zeitpunkt, den Kampf gegen überbordende Macht der Konzerne auf die politische Agenda zu setzen. Mehr Transparenz und strengere Ethikregeln sind wichtig, aber letztendlich brauchen wir einen radikalen Wandel in der Art und Weise, wie politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen mit Unternehmen umgehen. Die Bedürfnisse und Anforderungen der BürgerInnen müssen absolute Priorität haben."

Hinweise für Medien:

Die englische Originalfassung finden sie hier. 

Eine deutsche Kurzfassung mit einer kleinen Auswahl der Fallbeispiele hier.
Druckexemplare sind auf Anfrage erhältlich.

Kontakt:
● Claudio Cesarano, Koordinator von ALTER-EU, +32 2 8931062, coordinator@alter-eu.org
● Nina Katzemich, LobbyControl, +49 179 5093022, nina.katzemich@lobbycontrol.de
● David Walch, Attac Österreich, +43 1 544 00 10, presse@attac.a

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